Tobias Falberg, geboren 1976 in Lutherstadt Wit- tenberg, lebt in Magdeburg. Von 1992-1994 Mit- glied einer Thea- tergruppe. Studi- um der Betriebs- wirtschaftslehre. Er veröffentlichte bisher Prosa, Ge- dichte und Zeich- nungen, zuletzt in der Anthologie Neue Zeiten.

Die Grafiken in dieser Ausgabe sind von Matthias Mala. 1950 ge- boren, lebt er als freischaffender Künstler, Spiele- erfinder und Schriftsteller in München. Er veröffentlichte bisher über vier- zig Bücher sowie etliche Hörspiele und auch Comic- texte. Im bild- nerischen Schaf- fen liegt sein Schwerpunkt in Federzeichnun- gen. Er beteiligte sich an verschie- denen Ausstel- lungen.
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Eine Meute verfolgt mich durch nächtliche Landschaft. Einige der Gesichter kenne ich. Rund und hell beleuchtet der Mond die Jagd vor den Silhouetten heulender Wälder. Dann eine Sackgasse. Ich bin im Innenhof eines düsteren alten Gebäudes mit hohen Begrenzungs- mauern angekommen, von dem ich mir Rettung erhoffte. Doch die eisenbeschlagene Eingangstür - also handelt es sich wohl um ein Schloss - bewegt sich keinen Millimeter, so sehr ich auch an der klobigen gusseisernen Klinke rüttle. Hinter mir strömen bereits die Verfolger in den Hof. Die hellen Punkte ihrer fahlen Gesichter tanzen heran, vereinzelt greifen Hände. Als wäre dies logisch, beginne ich, auf der Suche nach einer Einstiegsmöglichkeit, die zerklüftete Außenwand des Gebäudes hinaufzuklettern. Erst in der Nähe des Daches finde ich ein Fenster, dessen hölzerne Läden nicht ver- schlossen sind. Gekonnt steige ich aus dem schneidenden Wind in das Zimmer. Es ist spärlich ausgestattet, dunkel und still. An einem massiven Eichentisch sitzt eine alte Frau und schreibt mit Tinten- fass und Feder, nur im Lichte des Mondes, etwas auf, ohne meine Ankunft zu bemerken. Aber auch aus dem Treppenhaus hallt schon ein leises, drohendes Poltern.
Der Wecker klingelt, und ich wache unförmig und verwachsen auf, um festzustellen, dass sich meine Gliedmaßen in lange dünne Bein- chen verwandelt haben, die mir vor den Augen herumflimmern. Nach diesem aufregenden Traum würde wohl eine angenehme Gänsehaut über meine Haut laufen, wäre sie nicht aus Chitin. Mein Rücken, ein dicker, schwerer Panzer, das Gesicht scheinbar nur noch aus Kauwerkzeugen bestehend. Mein Leben, eine schwelende Kafka- Groteske. Der einzige Unterschied zu seinem unglücklichen Pro- tagonisten besteht darin, dass ich nach einigen tiefen Atemzügen trotzdem aufstehen und das Schlafzimmer auf zwei Beinen verlassen kann.
An solchen Tagen gefällt es mir, wenn der trübe Ausblick des Fen- sters immer Herbst zu sein vorgibt, wenn gedankenschweres Dunkel den Morgen bis tief in den Nachmittag hinein verschlingt. Dazwi- schen Abrisse, short cuts, gerade lang genug, um hineinzukrabbeln. Dann schmeckt auch der Tee am besten, den ich morgens immer als erstes zubereite. Mit einem Löffel schiebe ich die alten Blätter aus der Aufgusskanne und suche mir, je nach Stimmung, eine der ver- schiedenen Sorten - Ceylon, Darjeeling, Gunpowder, Oolong - aus den unzähligen umfunktionierten Honiggläsern heraus. Heute habe ich mich für einen Gunpowder entschieden. In einem sehr hellen, grünbraunen Farbton dampft er mir sein Aroma aus der Tasse ent- gegen. Herb und fleischig rinnt er die Kehle hinunter und verteilt eine intensive Wärme, die mich beim Anblick der nebligen, feuchten Wiesen beinahe grinsen lässt, würde ich mich nicht in diesem Augenblick an die verpatzte Klausur erinnern. Zweimal hatte ich auf den Zettel am Anschlagbrett geschaut, Klausur und Matrikelnummer verglichen. Das Ergebnis blieb dasselbe: Gerade noch bestanden, mit entsprechend schlechter Bewertung. Dies wirkte um so zer- mürbender, weil ich der festen Überzeugung gewesen war, alle Fra- gen ausreichend beantwortet zu haben.

Ein tiefes, wildes Blau: der Bodenbelag der endlosen, hallenden Gän- ge des neuen Universitätsgebäudes. Die gesamte Außenwand zur Straße und zum Nordpark besteht aus vielen riesigen, von einer Stahlkonstruktion gehaltenen Glasscheiben, die den Blick nach draußen ungehindert freigeben. Die meisten Räume sind hier noch nicht bezogen. Farbengeruch beherrscht die Luft. Studenten kom- men mir in Anzügen entgegen. Es sind bald mündliche Prüfungen. Nervöses Augenflattern, schwere, trockene Zungen, die Krawatten drohen sie zu ersticken. Verschachtelte Treppen schrauben sich durch die Böden. Hier fühle ich mich wohl, mag dieses greifbare Geflecht der Surrealität. Es ist früher Vormittag. Ich laufe die dritte Etage entlang, auf dem Weg zur Klausureinsicht bei der Assistentin oder beim Professor selbst, den ich ohnehin schon lange ver- dächtige. So eine Ahnung, die mir in den Tracheen liegt. Vielleicht bin ich aber auch nur neidisch, eifersüchtig gewissermaßen, denn sie sieht wirklich gut aus. Aromatisch. Natürlich ist Geschmack immer relativ. Es muss eine Geschichte dazugehören, so wie ich sie mir zurechtgelegt habe. Ich gönne sie ihm nicht, das wird es sein. Eine Abneigung, die ich schnell entwickeln kann, wenn ich auf unnötige Mauern der Autorität treffe.
Zusammen mit der Assistentin, die ihr eigenes Büro besitzt, beuge ich mich über die Klausurunterlagen. Schritt für Schritt gehen wir die einzelnen Lösungen durch, entwirren das Formelchaos meiner Antworten und sind bei einer Aufgabe hängengeblieben, die ich meiner Meinung nach fast vollständig gelöst habe, und für die doch nur ein kleiner Teil der Punkte vergeben wurde. Ohne Klopfen öffnet sich die Tür, und der Professor tritt herein. Da er nun einmal da ist, frage ich ihn nach den fehlenden Punkten. Meine Frage ist höflich, und auch die Assistentin stimmt mir zu. Trotzdem lässt sich der Professor kaum zu einer Antwort herab. Gestützt auf die Ellbogen, lehnt er sich locker auf das Fensterbrett neben dem Schreibtisch, wobei er den gesunden kleinen Bauch nach vorn streckt. Er ist um die vierzig, trägt einen gepflegten Schnauzbart und auf dem Kopf einen Bürstenschnitt mit braunen, dichten Haaren, aus denen hier und da weiße Ausreißer hervorstechen. Der Akzent verrät seine bayrische Herkunft.
»Diese Werte sind nicht prognosefähig«, wiederholt er, ohne im ge- ringsten auf mich einzugehen, zum dritten Mal, während sich auf seinen Mundwinkeln schon ein abfälliges Schmunzeln zeigt, amüsiert über mein unvermindertes, mit Fragezeichen bewaffnetes Anrennen. Genau zwischen mir und dem Fenster sitzt die Assistentin. Ihr Ge- sicht, das unseren Wortwechsel, oder vielmehr unsere Wortwieder- holung beobachtet, ist sehr nah. Stumm liegt es in meinem Augen- winkel, während ich, innerlich zornig, den selbstzufriedenen Aus- druck des Professors ansehe und überlege, ob ich es auf eine offene Meinungsverschiedenheit ankommen lassen soll.
»Dieser Satz kann doch aber nicht mehr als die Hälfte der Aufgabe beantworten?!«, erwidere ich noch einmal, schon nachgebend, mich längst mit der Betrachtung der Assistentin ablenkend. Ich kenne sie bereits von einem Tutorium für Statistik, das sie durchführte. Sie ist Mitte Zwanzig, schlank, in Mathematik versiert und sofort sym- pathisch. Ihre Brüste sind klein und fest, sind wie Knospen und waren damals noch betont durch hautengen, dehnbaren Stoff. Heute trägt sie eine helle Bluse, darüber eine leichte Weste. Sicher hängt hier noch irgendwo ein zackiges passendes Oberteil. Als Assi- stentin muss man sich präsentieren können. Die aschblonden Haare sind immer noch knabenhaft kurz geschnitten, eigentlich unauffällig. Ihre schmalen, dunkelroten Lippen bewegen sich schnell und ge- konnt. Dann sprüht das Gesicht vor Intensität und die zierliche Brille ist kaum zu bemerken. Auf den Wangen glänzt ein trockener Schweißfilm, darunter ein wenig Rouge, das ihr etwas Hektisches und Strenges verleiht und dem warmen Lachen widerstrebt.
Plötzlich wechselt ein kurzer Blick; wissendes, intimes Spiegeln in ihren blassbraunen Augen, das seinen Widerhall auf den Pupillen des Professors findet. Ich spüre, wie sich wieder mein Rücken krümmt, wie sich der altbekannte Juckreiz unter den Chitinflügeln ausbreitet. Elektronen schießen herum, die Luft surrt wie ein Starkstromkabel, und die empfindlichen Enden meiner Fühler können die Blicke förmlich sprechen hören. Darin täusche ich mich nie. Jemand anders würde diese schweigende Kommunikation vielleicht überhören; für meine geschärften Sinne schrillt eine Sirene. Noch einmal wirft mir der Pro- fessor eine kurze, nichts sagende Antwort hin, die ich gar nicht mehr wahrnehme, weil meine Facettenaugen tausendfach und un- bestechlich das interessantere Objekt im Raum fixieren. Fließend vergrößern sich ihre Pupillen. An den Stellen, die nicht glatt über ihre Schenkel spannen, legen sich die Falten des grauen Tuchrockes quer. Ich höre, wie sich unter dem Stoff feine Härchen aufrichten. Gierig sauge ich den Duft der geladenen Atmosphäre ein, als ich mich kurz und schnell verabschiede und das Büro vorerst verlasse.
Draußen gehe ich den dunkelblauen Gang bis ans Ende und genieße den wunderbaren Ausblick. Eine große Eiche steht nah an der Aus- senwand und streicht im Rhythmus des Windes mit ihren höchsten Zweigen über das Glas. Es hat begonnen zu regnen. Dichte Wolken lassen die Bäume dunkel erscheinen. Einige Regenschirmblüten wu- seln über die glänzenden Pflastersteine. Der Verkehr windet sich wie ein Wurm die Straße entlang. Im Zimmer der Assistentin stehen die Zeichen auf Sturm. Kein Türenklappen, unverändert. Auch gab es offensichtlich keinen Grund für den Professor, seine Assistentin aufzusuchen. (Und ohne zu klopfen.) Keine Aufgabe - Ich bräuchte noch einmal die Zusammenstellung für das Seminar! Keine Frage - Sind die Ausdrucke für den Vortrag schon fertig? Nein, er wollte nur ein wenig an der Heizung stehen, auf die Ellbogen gestützt, und einen guten Morgen wünschen. Trotzdem wäre es nett von ihm ge- wesen, wenigstens einen Blick auf den Inhalt meiner Lösung zu werfen.
Zugegeben, es ist keine schöne Eigenschaft von mir, vieles gleich persönlich zu nehmen, gestehe ich mir ein, aber diesmal bekommt die Sache eine pikante Note. Langsam, darauf bedacht, keine Geräusche zu verursachen, kehre ich zum Büro der Assistentin zu- rück. Vor der Tür bleibe ich stehen und vergewissere mich, ob ich allein bin. Der Gang liegt noch immer wie leergefegt. Um diese Uhr- zeit sieht man hier selten Studenten und noch seltener Professoren. Vorsichtig lege ich den Kopf an die Tür. Zuerst höre ich nur ein un- klares Rauschen. Dann spaltet es sich in Atemzüge und leises, stockendes Geflüster. Tiefe, stoßweise Atemzüge, hervorgepresstes Flüstern. Ich könnte sofort klopfen, aber die beiden sollen ja auch etwas davon haben. Ihr Vorsatz, sich möglichst leise zu verhalten, um eventuellen Störenfrieden ein leeres Büro vorzugaukeln, ist längst vergessen. Langsam kommen sie in Fahrt. Stoff knistert. Hin- ter mir rinnen Regentropfen die Scheiben entlang. Die Stimme des Professors brummt erregt - und deutlich beteiligter als beim Ge- spräch von vorhin - Floskeln über Geruch, Animalisches und Brüste. Dazwischen hellere, nervöse Fragen der Assistentin, und wieder be- ruhigendes Brummen. Jetzt sind die beiden auch ohne meine sensible Wahrnehmung deutlich zu hören, selbst wenn ich mit dem Ohr nicht an der Holzimitation liegen würde. Das wird hoffentlich auch ihnen klar sein, als ich nun den Augenblick für gekommen halte, laut und deutlich zu klopfen. Ein letztes, sich verschluckendes Glucksen im Duett, dann herrscht Totenstille.
»Entschuldigung?«, sage ich und klopfe noch einmal kräftig.
Wirres Rascheln, ein Reißverschluss geht, Schritte huschen. Drinnen hat man sich offensichtlich entschieden, den Plan mit dem leeren Büro zu verwerfen. Ein Regalfach klappt. Zögerlich erklingt die Stim- me der Assistentin.
»Einen Moment, ich speichere nur schnell ab.«
Schließlich öffnet sie mir. Und um zu verbergen, dass die Tür abge- schlossen war, drückt sie die Klinke heftig nieder und reißt im selben Geräusch den Schlüssel herum. Als sie mich sieht, ist sie erstaunt, doch schnell taucht ein wütendes Funkeln in ihren Augen auf. Aus dem Raum dringt ein wahrer Sturm von Pheromonen, der mich sofort berauscht und meine Mundwerkzeuge unbeherrscht gegeneinander- reiben lässt. Der Glanz des Schweißfilms auf ihren Wangen ist zu kleinen Perlen gewachsen, die sich unter den wütenden Augen und von den bebenden Nasenflügeln aus über der Oberlippe verteilt ha- ben. Ihr Aroma schlägt mir entgegen wie der herbe, rauchige Tee heute morgen und umfließt meine zitternden Fühler.
»Entschuldigung, ich habe meinen Füller vergessen. Er muss noch auf dem Schreibtisch liegen«, rechtfertige ich mich mit unschuldiger Miene.
»Ach, so« ,erwidert sie rauh und bohrt mir aus erhobenem Gesicht einen stechenden Blick in die Augen. Dann etwas seichter: »Ich se- he nach.«
Während sie meinen Füller holt, der vom Schreibtisch aus sicher ei- nige interessante Details mehr als ich genießen durfte, schaue ich hinüber zum Professor, der hochbeschäftigt an einem Regal steht und in dicken Aktenordnern wühlt. Die Assistentin gibt mir mein Schreibutensil zurück. Feuchte Wärme streift meine Finger. Spon- tane Sympathie kann ich jetzt wohl nicht erwarten, aber ich hoffe, dass sie mir diesen Streich verzeiht. Denn der Grund dafür war schließlich der Professor, der, gerade als die Tür sich wieder schließt, noch ruft, dass er die gesuchten Blätter endlich gefunden hat.
Es wäre besser, wenn ich ihn nicht bei meinen mündlichen Prüfungen erwische, geht es mir durch den Kopf, als ich das Universitätsge- bäude verlasse und den Heimweg einschlage. Doch schnell legt sich der angenehme Duft des feuchten Laubes über diese Gedanken. Tropfen prallen an mir ab. Ich lasse es mir ins Gesicht regnen.

Matthias Mala

Da ist wieder der volle, Licht vergießende Mond. Wieder werde ich gejagt und versuche, durch düstere Wälder und nachthelle Wiesen vor den nahenden Verfolgern zu fliehen. Diesmal merke ich, dass auch andere auf der Flucht sind. Ich sehe Lastwagen, mit denen Gefangene abtransportiert werden. Schwarz tauchen die Umrisse des Schlosses auf und werden schnell größer. Etwas treibt mich auch diesmal in den von Mauern umgebenen Innenhof, der mich wie ein geöffnetes Maul erwartet. Die ersten Gestalten, die nach mir auf den Hof stolpern, sind in der gleichen Lage wie ich. Ängstlich rütteln sie an der großen eisenbeschlagenen Tür. Und als diese sich nicht öffnen lässt, weichen sie bis in die letzten Winkel der Mauern zu- rück und werden von der Finsternis verschluckt. Ich greife in die Fu- gen der Wand und beginne hinaufzuklettern. Ganz deutlich spüre ich, wie sich mein Körper verformt: Hände und Füße werden zu Kral- len an langen, dünnen Beinchen, der Rücken krümmt und verhärtet sich, und das Blickfeld wird schlagartig weiter. Ein drittes Beinpaar gesellt sich wie selbstverständlich dazu. Jetzt kann ich es nicht mehr leugnen: Ich habe mich in einen großen Käfer verwandelt. Durch das offene Fenster schlüpfe ich flink und wendig hinein. Drin- nen sitzt wieder die Frau, doch sie ist nicht alt. Jetzt erkenne ich sie als die Assistentin des unsympathischen Professors. Unbemerkt drücke ich mich in die Schatten des Bodens. Das Rumpeln der Holz- stufen wandelt sich zu schweren Schritten. Knarrend öffnet sich die Zimmertür, und der Professor, bekleidet mit einer Uniform, betritt den Raum. Die Assistentin lässt von den Schriftstücken ab, auf de- nen hunderte Namen aufgelistet sind. Und ich weiß, dass auch mein Name dabei ist, einer derjenigen, die noch kein Kreuz aufweisen. Während ich also versuche, einen etwas geschützteren Platz zu finden, verschlingen sich die Glieder und Gesichter der beiden. Seine Hände fahren durch ihre kurzen aschblonden Haare und schieben die Weste gierig beiseite. Sie greift unter den Rock, fährt am Bein nach unten. Dann hebt sie kurz den Fuß und schüttelt den Slip ab wie ein lästiges kleines Tier. Der weiße Baumwollstoff landet direkt vor meinem keilförmigen Kopf, und mit ihm fällt plötzlich der Blick des uniformierten Professors auf mich. Sofort glühen seine Augen zornig. Nun hat mich auch die Assistentin entdeckt und stößt einen kurzen Schrei aus. Dadurch bestärkt, greift der Professor etwas vom Tisch und schleudert es nach mir. Ich bin wie erstarrt und unfähig, dem länglichen Wurfgeschoss auszuweichen. Es handelt sich um meinen Füller, der durch den veränderten Blickwinkel schreckenerregend groß aussieht und mit solcher Wucht geworfen worden ist, dass er sich tief in meinen Rücken bohrt. Der Schmerz ist unerträglich, und meine sechs Beinchen knicken fast augenblicklich ein.
»Genau, das geschieht ihm recht!«, ruft die Assistentin bekräftigend und kreuzt auf dem gelben Pergament mit einer schnellen, zufrie- denen Handbewegung  meinen Namen ab.
Auch heute reißt mich der Wecker aus dem Traum. Ich habe ver- gessen, ihn abzustellen.
Über dem Horizont schimmert ein Streifen lachsrosa Himmels. Ver- einzelt brechen Sonnenstrahlen durch das Grau und bringen die zu- rückgebliebenen Pfützen zum Glitzern. Diesmal trinke ich einen Dar- jeeling. Es ist Wochenende.