Ursula Haas, in Aussig (heutige Tschechische Re- pubik) geboren, lebt als Schrift- stellerin in Mün- chen. Studium der Geschichte, Germanistik und Pädagogik in Bonn und Frei- burg. Buchveröf- fentlichungen u. a.: Klabund, Kla- bund oder Mög- lichkeiten der Auflösung, 1983; Abschiedsge- schichten, 1984; Wir schlafen auf dem Mund, 1993. Freispruch für Medea, Libretto zu Rolf Lieber- manns Oper, 1995; East Side Gallery, Musical, 1997. Mehrere literarische Aus- zeichnungen, zu- letzt: Sudeten- deutscher Litera- turpreis, 1994.

- Vor den Seerosenteichen von Claude Monet -


I


In der Runde
dreht sich die Farbe
blau
Teiche
die Zeit
Die Liebe markiert
uns
wie am Ohr des
Hundes
gefangen
Wo bist Du, Herr?
Zorn und Schmerz
unter Ufern
Herr, ich bin hier.





II

Ist es die Seele
aus Blau und
deine Helligkeit
ausgestrahlt
violett
wenig grün
bestimmt
das Leben
uns
der Tod
Höre ich deine Stimme
leicht
Warm
nimmt dein Lachen
mich in den Arm
Wo sind nur die Vögel
in diesen Bildern
die uns aussingen
als bräuchten
sie
ihre Flügel
nie mehr.





III

Gott liebt Monet
ich bin sicher
Nie hat Er
dir und mir
in unserem Tod
über unseren Tod
hinaus
das Leben
in solch glücklichen
Farben
noch dazu
in einem Teich und
in einer Wasserlilie
uns
ertränkt.





IV


In die Farbe hinein
weine ich
dein Tod glückliche
Zeiten
da
wo die Sonne
die Mitte
des Bildes
mit unserem
Mondlicht
kopuliert
ausgeblendet
erhebt sich
aus dem Licht
kein Gedanke
als
ewige Freude.





V

Es steht und fällt
Licht
aus allen Poren
der Leinwand
Ich und du
Spiegeleien
der Endlichkeit
Wir schwimmen
in der Luft aus
Blau
Wollen sein
Ewig im Glück
ist der Tod
Wie grün das Vertrauen
und wie violett
die Gnade.





VI

Wie ich dich
hier suche
bist du das
Blau im Licht
auf dem Wasser
die gelbe Blüte
das Blatt
das mich hält
daß ich verloren
bin
ohne dich
weint der
See unserer Tage
und Nächte
vor meinen Augen
sich aus.





VII

Die weißen Wolken
im Teich
du sinkst
fort
wo Lianen und
Goldfische wir
uns
begegnen
als sei unsere
Ankunft
in Bewegung
die Liebe malt
sich
deine Zärtlichkeit
aus
wildert
in mir
die schönste aller
Zeiten
an deiner Brust
kein
Ende.





VIII

Hat Er mich
in seinem Konzept
eine Leerstelle
nicht
wo du und ich
unter Seinem Blau
jubilieren
Im Tod
hebt Er
die Hand
und grüßt
uns
sanft
auf den Weg
der Gewässer.





IX

Gott denke
ich
ist
wo die Liebe
sich im See
vor mir
spiegelt
Kind und Frau
Mann und Kind
ein Gesang
aus Farben
und Klängen
aus unserer Hand
und unseren Lippen
ein Halleluja
aus voller Kehle
ist.





X

Beruhige ich mich
nicht
wenn
Wasser und Licht und Blau
sich
zusammenfalten
zum Buch
der eigenen Geschichte
Schlag ich
auf und höre
das Rauschen
der Elbe
das Fallen der
Oliven bei Florenz
und doch
bin ich
nur
der Schatten
aus
dem Großen Licht.





XI

Nichts bleibt
wo
dein Ende
sich
schmückt
mit
dem Selbst
meiner
Liebe
bleibt
nichts
als





XII

Liebe ich dich
wie ich Gott
lieben würde
hätte Er
deine Hände
deine Stimme
deine Augen
wie du
mich
hineinziehst
in
das Blau
der Erfüllung.