|
Patchwork
Die Themen werden immer flüchtiger, sind kaum mehr
zu fassen. Wie zum Hohn stehen in den Parfümerie- abteilungen immer neue Zerstäuber bereit. Aber es finden sich genug, die mit dem nötigen Ernst
die Kompositionen testen an der Wurzel ihrer Hände. Übergangslos (auch thematisch) geht das Grau ins Zimtrot über auf den Vorderseiten der Rotkehlchen;
lautlos haben sie ihre Reviere besetzt, ohne daß man sagen kann, sie hätten die Situation (welche auch immer) ausgenützt. Mit Beschwörung hat es nichts zu
tun, wenn die zu früh eingetroffene Bachstelze den Dunghaufen umkreist, Runde um Runde. Schon eher damit, daß der Winter die Tür eingetreten hat, die ihm
von mir auf Anweisung des Frühlings gewiesen wurde. Im Zimmer sitzt du; das Rot deiner frischlackierten Fußnägel steht dir gut. Es paßt zur weißen Schneehaut,
die sich schmerzhaft bis zum Horizont spannt.
Frau in Rot
Als ich eintrat, fielen mir zuerst die roten
i-Tüpfelchen ihrer schneeweißen Finger auf. Sie telefonierte angeregt rotbackig, sprach mit rotumrändertem Mund. Mein Blick kreiste im Geviert kirschroter Einbauschränke, auf dem
Schreibtisch eine Vase mit flammenden Rosen. Auf meine Worte reagierte sie nicht, auch nicht auf mein Schnauben und Fußaufstampfen. Erst als ich mir die Lippe aufbiß und Blut auf den
Boden tropfte, sah sie mich an wie eine Rot- Kreuz-Schwester.
Die Kneipe am Eck
...um diese Zeit geht der neue Tag
durch die Fenster - ganz ohne Hahnen- schrei und Angelusläuten. An den Garderobenhaken hängen die hellen Mäntel der Morgensonne; verloren liegt ein Schal auf
der Schulter des gestrigen Abends. Scheint wieder spät geworden zu sein; verschlafen blitzen die verchromten Augen der Barhocker und am Tresen steht eine zu Staub zerfallene Licht- gestalt.
Sein Schweigen spricht dafür
Dem Mann auf dem Barhocker ist es einerlei, daß jenes
Teil, von dem sein rechter Fuß immer wieder abrutscht (er ist nervös), eine verchromte Rundstrebe ist. Er verschwendet keinen Gedanken daran, weil ihm nichts daran
liegt, für die Dinge die passenden Worte zu finden. Er stiert auf sein Whiskyglas, das vor ihm auf dem Tresen steht. Ihm kommt nicht in den Sinn zu fragen,
wer wohl alles schon dieses Glas vor sich hatte. Er wüßte nicht mal zu sagen, woraus Glas eigentlich gemacht wird. Daß es in tausend Splitter zerspringt, wenn man's auf den
Boden knallt, hat er schon des öfteren in Filmen gesehen (aber das denkt er jetzt nicht). Da er regelmäßig hier ist, begrüßt ihn die Bedienung mit
seinem Vornamen. Darauf hält er sich was zugute. Ob sie ihn auch am hellichten Tag auf der Straße noch kennen würde? Solche Überlegungen stellt er nicht an.
Der Abend vergeht. Wen interessiert, was in einem anderen vorgeht. Sein Schweigen spricht dafür, daß er das weiß.
|