Robert Höpfner, 1954 in München geboren und dort aufgewachsen, lebt seit 1981 in Grassau/Chiem- gau. Schreibt Prosa und Lyrik. Er veröffentlichte die Gedichtbände Querfeldein, 1994; Die mythischen Orte sterben aus, 1997; Die Fliege im Brennholz, 2000.

Die Grafiken in dieser Ausgabe sind von Matthias Mala. 1950 ge- boren, lebt er als freischaffender Künstler, Spiele- erfinder und Schriftsteller in München. Er veröffentlichte bisher über vier- zig Bücher sowie etliche Hörspiele und auch Comic- texte. Im bild- nerischen Schaf- fen liegt sein Schwerpunkt in Federzeichnun- gen. Er beteiligte sich an verschie- denen Ausstel- lungen.
Homepage Mala

Liegenschaft

Ich beginne den Tag
im Liegen.
Liegend
bring' ich ihn zu Ende.

Was dazwischen liegt
sitze ich ab.

Ich stehe dazu





Kommunikation

Ankommen.
Hinsetzen

           Code-pieps-guten morgen-pieps-tipp
           tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp
           tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp
           pieps-tipp-pieps-pieps-pieps--tipp
           tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp
           tipp-tipp-pieps ....... pieps-tipp
           tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp
           tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp
           tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp-tipp
           pieps- tipp-tipp-tipp- pieps-pieps

       ritsch-ritsch-ritsch-ritsch-ritsch-ritsch
       ratsch-ratsch-ratsch-ratsch-ratsch-ratsch
       ritsch-ritsch-ritsch-ritsch-ritsch-ritsch
       ratsch-ratsch-ratsch-ratsch-ratsch-ratsch
       pieps

           pieps-tipp-pieps-out.

Heimkommen.
Angetippt: siehst wieder ziemlich
ritsch ratsch aus. Gab keinen Pieps von sich.





Ein Erlebnis besonderer Art

ist es
einen heißen Sommernachmittag
im Bett zuzubringen
und sich vollgeparkte
Straßenränder auszumalen
entlang von Freibädern und Seen.

um dann
nackt aus dem offenen Fenster
zu springen in das kühle
Blau des Himmels
unter den Jubelschreien
der übergeschnappten Mauersegler.





Eingebildet

Der Buchfink hält viel
auf seinen Namen -
Blatt für Blatt
wendet er um
entlang den Heckenzeilen.
Wenn er genug hat
folgt die Rezitation
von höherer Warte.

Matthias Mala

Patchwork

Die Themen werden immer flüchtiger, sind kaum mehr
zu fassen. Wie zum Hohn stehen in den Parfümerie-
abteilungen immer neue Zerstäuber bereit. Aber es
finden sich genug, die mit dem nötigen Ernst
die Kompositionen testen an der Wurzel ihrer Hände.
Übergangslos (auch thematisch) geht das Grau ins
Zimtrot über auf den Vorderseiten der Rotkehlchen;
lautlos haben sie ihre Reviere besetzt, ohne daß man
sagen kann, sie hätten die Situation (welche auch
immer) ausgenützt. Mit Beschwörung hat es nichts zu
tun, wenn die zu früh eingetroffene Bachstelze den
Dunghaufen umkreist, Runde um Runde. Schon eher damit,
daß der Winter die Tür eingetreten hat, die ihm
von mir auf Anweisung des Frühlings gewiesen wurde.
Im Zimmer sitzt du; das Rot deiner frischlackierten
Fußnägel steht dir gut. Es paßt zur weißen Schneehaut,
die sich schmerzhaft bis zum Horizont spannt.





Frau in Rot

Als ich eintrat, fielen mir zuerst die roten
i-Tüpfelchen ihrer schneeweißen Finger auf.
Sie telefonierte angeregt rotbackig, sprach
mit rotumrändertem Mund. Mein Blick kreiste
im Geviert kirschroter Einbauschränke, auf dem
Schreibtisch eine Vase mit flammenden Rosen.
Auf meine Worte reagierte sie nicht, auch nicht
auf mein Schnauben und Fußaufstampfen. Erst
als ich mir die Lippe aufbiß und Blut auf den
Boden tropfte, sah sie mich an wie eine Rot-
Kreuz-Schwester.





Die Kneipe am Eck

...um diese Zeit geht der neue Tag
durch die Fenster - ganz ohne Hahnen-
schrei und Angelusläuten.
An den Garderobenhaken hängen
die hellen Mäntel der Morgensonne;
verloren liegt ein Schal auf
der Schulter des gestrigen Abends.
Scheint wieder spät geworden zu sein;
verschlafen blitzen die verchromten
Augen der Barhocker und am Tresen
steht eine zu Staub zerfallene Licht-
gestalt.





Sein Schweigen spricht dafür

Dem Mann auf dem Barhocker ist es einerlei, daß jenes
Teil, von dem sein rechter Fuß immer wieder abrutscht
(er ist nervös), eine verchromte Rundstrebe ist. Er
verschwendet keinen Gedanken daran, weil ihm nichts daran
liegt, für die Dinge die passenden Worte zu finden.
Er stiert auf sein Whiskyglas, das vor ihm auf dem
Tresen steht. Ihm kommt nicht in den Sinn zu fragen,
wer wohl alles schon dieses Glas vor sich hatte. Er wüßte
nicht mal zu sagen, woraus Glas eigentlich gemacht wird.
Daß es in tausend Splitter zerspringt, wenn man's auf den
Boden knallt, hat er schon des öfteren in Filmen gesehen
(aber das denkt er jetzt nicht).
Da er regelmäßig hier ist, begrüßt ihn die Bedienung mit
seinem Vornamen. Darauf hält er sich was zugute. Ob sie
ihn auch am hellichten Tag auf der Straße noch kennen
würde? Solche Überlegungen stellt er nicht an.
Der Abend vergeht. Wen interessiert, was in einem anderen
vorgeht. Sein Schweigen spricht dafür, daß er das weiß.