Ulrich Jösting, geboren 1963, lebt und wirkt als Künstler und Dichter in Osna- brück. Er hatte zahlreiche Veröf- fentlichungen in diversen Litera- turzeitschriften, Fanzines und Anthologien.

Die Grafiken in dieser Ausgabe sind von Matthias Mala. 1950 ge- boren, lebt er als freischaffender Künstler, Spiele- erfinder und Schriftsteller in München. Er veröffentlichte bisher über vier- zig Bücher sowie etliche Hörspiele und auch Comic- texte. Im bild- nerischen Schaf- fen liegt sein Schwerpunkt in Federzeichnun- gen. Er beteiligte sich an verschie- denen Ausstel- lungen.
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Diese Nacht ist eine dieser Nächte. Ich sitze in einer brutheißen Feldscheune im Aufmarschgebiet und starre die Wand AN. Das Kameramädchen bringt ein Horoskop, zeigt die Erkennungsmarke und verspricht ein geruhsames Leben. Je näher die Einheit der Quelle des Konsums kommt, desto mehr Ganzkörpermassagen werden von den Verkäufern angeboten. Sie begreifen ihre Knöchel von unten und breiten die Schenkel über den Läden aus. Das Kameramädchen ist verbittert und schwört Rache. Sie imitiert die Schriften ihrer Vor- bilder, sackt zusammen und bleibt liegen. Die Ärztin eilt herbei und untersucht die Verletzte. Sie benutzt einen rauen Schwamm, um alte Hautschuppen weg zu bürsten. Die Reaktion, die das Kame- ramädchen zeigt, ist genau richtig. Statt sich in eine einsame Ecke zurückzuziehen, lacht sie lauthals mit. Sie weiß, dass sie manchmal etwas einstecken muss. Die Ärztin, die ein Gesäß hat wie zwei reife Kürbisse, verhält sich alles andere als ungesellig gegenüber der Verletzten. Selbstverständlich ist sie enttäuscht darüber, nicht selbst das Ziel von Witzen zu sein. Andererseits ist sie Teil eines größeren Ganzen. Sie ist versöhnlich, warm, unermüdlich, familiär, romantisch, häuslich, vorsichtig, bescheiden, unauffällig, offen, fürsorglich, zurückhaltend, sehr rücksichtsvoll, feinfühlig, ehrgeizig, hilfsbereit. IHR Vater war der Großmeister der Großloge der alten, freien und angenommenen Maurer von Deutschland. Das Kame- ramädchen konzentriert sich auf ein einziges Ziel. Dieses Ziel hat sogar einen Namen, es heißt Wertschöpfungsaggregat Nr. 3. Ich halte 90 Meter vor der Hauptkampflinie in der Uniform des Feindes ein Schild in der Hand, darauf steht: HIER STREIKEN DIE LOHN- EMPFÄNGER FÜR EINEN GERECHTEN LOHN. Dabei habe ich den Ruf, ein Spielverderber zu sein. Welche geschlechtsspezifischen Ver- haltensweisen bei mir dominieren, ob ich überwiegend männliche oder weibliche Verhaltensmuster zeige, das hat nichts damit zu tun, welchem Geschlecht ich angehöre. Vielmehr hängen diese Neigungen von der Erziehung ab und meiner persönlichen Einstellung gegenüber dem rauen Alltag. Die Ärztin lackiert ihre Fingernägel weiß. Sie ist eine Frau, die gern schockiert. SIE HAT DEN ARZTBERUF ERLERNT, um die Anwendungsmöglichkeiten der Steinheilkunde zu vertiefen. Das Kameramädchen hat den Film gewechselt und einen Image- wechsel vollzogen, der sie zu einem noch größeren Star werden lässt.
»Ich habe mich letzte Woche einfach fallen gelassen«, flüstert sie.
»Ich hatte nicht die Nerven dazu, mir die Haare selbst zu bleichen und so bin ich eben zu meinem Lieblingsfriseur gegangen und habe gesagt: Gib dein Schlechtestes! Ich muss schon zugeben, ich war etwas erstaunt, als ich danach in den Spiegel geschaut habe, aber die helle Farbe bringt das Leuchten meiner Augen besser zur Geltung. Nebenbei, ich habe einfach gemerkt, dass es Zeit für einen Wechsel ist.«
Das Kameramädchen schreibt ihrem Vater einen Brief aus dem La- zarett und gibt zu, dass sie sich sehr langweilen würde, wenn sie ihre Frisur nicht verändert hätte. Sie ist die Tochter des stell- vertretenden Geschäftsführers des Instituts der Kanonischen und Apostolischen Visitatoren und verlässt sich nicht auf Zufälle. Dem Krieg dient sie und weiß nicht, was er ist. Sie bildet den Vor- austrupp, der die Brücke sichert.
Der Lohnempfänger Herbert Weihs bereitet dem Außerirdischen Ma- ximilian einen herzlichen Empfang. Er überreicht ihm eine Schrift mit dem Titel: DIE BEDEUTUNG DES SCHMERZES UND SEINE SCHÖN- HEIT. Darin steht in gebrochenem Deutsch, was gesprochen wird in gebrochenem Deutsch, was das Wissen um die bedingungslose Lie- be, den Quellcode des Algorithmus, das Erwachen des Bewusstseins und den Weg zum planetaren Aufstieg ohne größere Kataklysmen beinhaltet.
»Bomben werden generell dem Verhältnis explosiven Materials zufolge eingestuft, um Gewicht zusammenzuzählen. Die Haupt- klassen sind Mehrzweckbomben, Zerschlagungsbomben, Eindring- lingsbomben und Pflaumenbomben. Ungefähr 50 Prozent des all- gemeinen Zwecks von Bomben sind explosive Materialien. Diese Bomben wiegen normalerweise zwischen 500 und 2000 Pfund und produzieren eine Kombination von Explosion und Zerschlagungs- wirkungen. Die Verkleidung schafft im Moment eine Zerschlagung, und der explosive Registrator verursacht beträchtlichen Schaden von verdammter Wirkung. Nur zehn bis zwanzig Prozent vom Ge- wicht einer Zerschlagungsbombe sind explosives Material; der Rest erzielt Fälle, die in voraussagbar große Stücke brechen. Die Frag- mente, die bei hohen Geschwindigkeiten reisen, sind die primäre Ursache von Schaden. Plaumenbomben sind hauptsächlich Zerschla- gungswaffen. Plaumenbomben können vorkommen.«
Der Blick des Außerirdischen Maximilian ist glasig. Die Vernunft presst ihn auf die Erde. Er ist noch jung, frisch und voller Sehn- sucht. Die Wand fällt, der Boden sinkt, und die Erde wird zur Drehscheibe. Er bleibt auf Sichtnähe, nutzt jede Deckung, kämpft in dem roten Quadranten, dem Traumland, das sich in jener Region befindet, die von niemandem betreten und keinem überflogen wer- den darf. Sein Geist ist hellwach. Er ist mit einem langen Mantel bekleidet, der eine große Kapuze hat. Tief im Schatten der Kapuze bleibt sein Antlitz verborgen. Seine Stimme ist hoch und un- gebrochen. Unverrückbar sticht die starre Iris des Lohnempfängers, der einst in einer anderen Dimension ein Naturwissenschaftler ist, in sein Bewusstsein.
»Freie Fallbomben haben drei Teile. Der Bombenkörper ist die Ver- kleidung, die das explosive Material enthält. Der Zünder kann in der Nase und oder dem Hintern der Bombe gefunden werden und kann die Explosion bestimmen. Der Schwanz bestimmt, wie die Bombe durch die Luft fliegt. Gewünschte Wirkungen werden erreicht, indem man eine besondere Kombination von Körper, Zünder und Schwanz auswählt.«
Die unsichtbare Front trägt einen Witwenschleier, im weiten Halb- kreis stehen die Angehörigen der mysteriösen Einheit. Das Areal ist einige Hektar groß, überall in diesem Sperrgebiet sind Bewegungs- melder und Videokameras verborgen, gewaltige Hangars, Radar- anlagen, riesige Versorgungseinrichtungen errichtet und die längste bekannte Rollbahn durchschneidet die Pufferzone. Ein Lichtfleck auf dem Boden markiert meinen Standpunkt. Ich bin bereit jeden Befehl auszuführen, lasse mich nicht täuschen. Der Außerirdische über- reicht mir Salzbarren, Zobelfelle und Muscheln. Ich lasse die Milch- zähne, die Nabelschnur, die Vorhaut auf Erden zurück und folge dem Tunnel, bis ich den Fluss erreiche. Ich kann entweder innen springen oder rechts gehen und einen sicheren Platz finden. Ich klettere auf den Felsen gegenüber von dem Wasserfall und betrete die Höhle. Ich beende den Wolf, setze den Angriff dann
weiter fort und drehe nach RECHTS. Ich springe in den schräg gelegenen Raum und beende die drei Löwen, die hier warten. Ich gehe nicht einfach geradeaus, da der Weg eine Sackgasse ist. Ich finde die Latte, die ich ziehen kann. Ich fahre fort zu klettern, bis ich das Skelett finde. Vorwärts fahre ich fort und schiebe mich unten in die Senke. Ein rotes Ungeheuer hetzt mich. Ich schieße so schnell, wie ich kann und überprüfe meine Gesundheit an diesem Punkt. Ich beachte die unterbrochene Seilbrücke oben und die SEHR GROSSEN ABDRÜCKE unten. Ich beachte die Größe der Zähne des MONSTERS, das gerade die Ecke aufrundet. Ich tue eine Menge Seitensprünge und halte an, abzufeuern, BIS DAS TOT IST. Die Latte auf der rechten Seite des rechten Wasserfalls klettere ich hinauf, um ein GEHEIMNIS zu finden. Ich gehe zur Latte zwischen die Fälle. Dann klettere ich zwei Latten herauf und springe rechts auf die dritte Latte. Ich bin mitten in den Fällen, ziehe mich herauf und gehe zu Boden und suche nach einer Tür im grasbedeckten Felsen. Ich rücke vor, bis ich einen Wasserfall erreiche. Ich klettere die Latten rechts und erhalte einen Durchgang. Ich tauche dann in das Becken. Ich drehe nach links und rücke zum Bügel im Abstand vor, beende die Tiger, die nahe dem Bügel lauern, betrete den Bügel und sichere mein Spiel. An der Quelle tue ich ein Gelübde und entrichte 30 Schillinge. Ich vermag die Zahlung zu leisten. Ich be- gegne Herbert Weihs, der einen Namen hat, denn er befindet sich innerhalb der Wellenform, er kann erfasst werden. Unter Licht- glocken erlösen die Verkäufer den Außerirdischen Maximilian von allen Übeln. Der ist verblüfft, kratzt an seiner Perücke und sieht die analytische Steinheilkunde nun als sein berufliches Fundament an. Seine Edelstein-Hausapotheke enthält 88 ausgewählte Heilsteine erstklassiger Qualität, die nicht nur schön aussehen, sondern auch bei der Patientin, der anonymen Testperson, dem Kameramädchen, das sich für Heilerde interessiert, spezifische Wirkungen hinter- lassen.
»Euer Hoheit, ich komme mir hier vor wie in einer anderen Welt,« sagt das unsterbliche Kameramädchen.
»Zwischen dieser und eurer Welt ist kaum ein Unterschied.«
»Ich weiß nicht.«
»Ein paar feingeschliffene Redensarten, hier und da eine höfliche Verbeugung, gewisse Regeln des Umgangs.«
»Die ich nicht kenne, leider.«
»Da«, zeigt Maximilian.
»Was denn?«

Matthias Mala

»Es ist leider so dunkel, dass ihr nicht viel sehen könnt, aber bei Tage hat man hier eine wunderschöne Aussicht auf den Friedhof. Und dort drüben liegt irgendwo ein flaches Gebäude, das ist das Gefängnis. Ich muss gestehen, bei dieser Hitze sind Perücken ein- fach eine Qual.«
»Dann tragt sie doch nicht.«
Die Wirkung ihrer Worte breitet sich schneller aus als das Licht, verformt Raum und Zeit und bietet das Vergnügen wie eine Öffnung an. Ich folge dem Tunnel und betrete das Grab, gehe die Steigung hinauf und ein sehr großer Flussstein kommt, poltert in meine Richtung. Ich tue die RÜCKBEWEGUNG und erhalte einen Pfad, der Flussstein rollt über dem Grab und in den Eingang. Auf der Wand mit der Tür, die der Flussstein innen rollte, gibt es einen Schalter. Ich ziehe den Schalter, um die Tür nach links zu öffnen. Die gibt zwei Tiger frei, die ich mit der Pistole schicke. Ich steige aus in den Raum. Es gibt einen unbeweglichen Block hier. Den ignoriere ich, drücke den Schalter in der Wand nach vorn zweimal, drehe nach links und drücke einen anderen Block, um fortzufahren. Ich laufe über einige zusammenklappbare Fliesen zu einem Schalter, der ein Gatter öffnet. Ich springe in die Grube, gehe jetzt zurück zu dem Raum mit dem Kreissymbol DARÜBER und folge dem Durchgang zu einer kleinen Einbuchtung mit einem Schalter. Ich nähere mich dem Schalter und falle durch den Fußboden, gehe eine der Rampen hinauf und ziehe den Block in den Raum zurück, drücke ihn beiseite, um einen Durchgang zu finden. Ich tropfe in eine Grube hinauf und erhalte den Aufstieg herauf auf die gegenüberliegende Seite der Grube. Dann gehe ich die Treppe hinab und ziehe den Schalter zum geöffneten Gatter. Ich folge dem Pfeil, falle unten in den Raum mit der Rampe, steige in den Eingang nach links hinein und folge der Treppe herauf. Ich ziehe mich hoch, halte mich oben, drehe mich herum und muss nach unten fallen. Ich kehre zurück und springe, um die Spitze unten zu vermeiden, ziehe den Schalter in diesem Raum, um das abschließende Gatter zu öffnen, gehe die kleine Rampe hinauf und klettere sie bis zur Tür. Ich vergeude den Feind, bevor er mich erhält.
Ich trage den Durchgang ein. Herbert Weihs geht MIT voran. Er nimmt einen Schluck aus dem See und springt hinein. Er schwimmt zum anderen Ufer und macht eine Umdrehung. Er bombardiert den Körper, wendet sich an das Recht, klettert in die Höhle in der Wand. Er folgt dem Tunnel und kreuzt die Brücke, er gebraucht den Hebel. Die Verdammung schließt und der feuchte Fall stoppt. Er hält die Mannamaschine in der Hand und den Zuckergast.