Udo Kawasser, geboren 1965, lebt in Wien, Lau- terach (Vlbg.) und New York. Studium der Deutschen, Fran- zösischen und Spanischen Phi- lologie in Wien. Zeitgenössischer Tänzer und Cho- reograph. Jour- nalistische Tätig- keit für das österreichische Tanzmagazin tanzAffiche.

traisen (winter)

im steinbett
klar unter der welle
ein schatten
bäuchlings aufblitzender
muskelschlund und stiebt
wie gerade ein wille
und gespanntes fleisch
das zustößt so gewiß
als gäbe es keine
dämmerung und dunkelheit
im fluß
         schlafen forellen
bei nacht?





traisen (märz)

unterm glassturz
das schlummernde handwerk
der bakterien
modernder filz
an den vorderläufen
kalt amputiert
hat die eisflut
seinen letzten haken
geschlagen





schmerzliche reduktion I

wegwarte
schotterwärts
aus der verdächtigen heide
in den schutt
auf der laufkäferspur

im mittagslicht
die bittere lektion
der halden
der staub wächst ein
und die klarheit nimmt zu
mit der ödnis
um den schütteren wuchs

der sonnenwirbel
im kargen tagwerk
bricht den stein
bis der tropfen
in den sand
quillt





blau

wie unverhofft
ein schwalbenflug
sich zeichnet
taucht aus
selbstvergessen
leichten schritts
durchwehter leib
ins licht geneigt
und löst sich
artikuliert
in erregter transparenz
der wörter
welt





moment I
für katharina

vor dem fall der nacht
gerinnt der abend
in plättchen
und fügt sich
zur schwebe
am ende des atemzugs
denn die schwerkraft
setzt aus
wenn die horizontale
den augenblick
mißt





moment II

eine linie
gelb
schwingt aus
und behält sich
die ebene
als pfand





ried I

quer
      feld
           ein
an den feldrändern den
gräben entlang
in den bächen
modern die ganglien im
rostigen pelz          erinnerungen
gärende protuberanzen

                                         in diesen stunden
                                         streicht die sonne die
                                         falten glatt
                                         geht der schritt im
                                         gleichmaß des atems
                                         unter der haut
                                         die propeller sirren
                                         als gegenwart die
                                         zurückreicht

quer
      feld
           ein
die gräben entlang
unter bäumen
die spuren von anfängen
überwuchert
vom eintrag der tage
sogar die rehe haben
die witterung
verloren
                    kreuzen
ahnungslos meine wege
im rücken





ried II

wieder bis auf den grund
gefroren die nacht
brandholz vielfingrig
die schwarze hand
gegen den horizont
vor der vertikalen meines leibes
silvester taut    die schatten wandern
an den graten der wörter
kühl in den kuhlen der schlüsselbeine
rippenbögen und nischen des bauchs

im totenhemdchen
ockerfahl und ausgesogen
verrotet der sommerkadaver
mit frostgravuren im schlamm
einer rabenschar in kupfer
gestochen