Alma Larsen, geboren 1945 in Kyritz, lebt als freie Schriftstel- lerin und Foto- grafin in Mün- chen. Etliche Veröffentlichun- gen von Lyrik, Essay und Prosa. Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern aus den Berei- chen Bildende Kunst, Perfor- mance und Musik. Letzte Lyrikveröffentli- chung: Pupillen Rand Gedichte, 1998. Fördersti- pendium für Lite- ratur der Stadt München, 1989; Stipendium Kunstverein Kühlungsborn, 1996.

Die Grafiken in dieser Ausgabe sind von Matthias Mala. 1950 ge- boren, lebt er als freischaffender Künstler, Spiele- erfinder und Schriftsteller in München. Er veröffentlichte bisher über vier- zig Bücher sowie etliche Hörspiele und auch Comic- texte. Im bild- nerischen Schaf- fen liegt sein Schwerpunkt in Federzeichnun- gen. Er beteiligte sich an verschie- denen Ausstel- lungen.
Homepage Mala

Von Alma Larsen und Samuel Rachl ist im Stora Verlag der Titel Kunst am Bein (Gedichte, Zeichnungen) er- schienen und über den Buchhandel erhältlich. ISBN
 3-929045-66-4
Website Stora

Fabula rasa

ein schwarm fische?
wie sie schwänzeln
wie sie wedeln
mit den flossen
einander berühren
wie sie glotzen
nach allen seiten
könnte man sie
für fische halten
wie sie schwärmen
von den großen bunten
vor den unscheinbaren
die mal wieder nicht
dabei gewesen wie
sie schnappen nach
den lecker bissen
scampi lachs forelle
ART genossen mund
gerechte häppchen
köder des konzerns
für fische: fische





Dokumentarfilm

der seziermeister kocht gerne fisch.
er fängt ihn selbst. beim öffnen
des bauches öffnet sich das maul.
die luft entweicht. ein gehilfe
spritzt ihm das blut von den händen.
die dicke der fischportionen gleicht
den schnitten durch die organe.
im herzen entdeckt er eine narbe.
man sieht
dass beide keine zähne haben.





Circulus vitiosus

da sitzen wir sehen sie reden
die stirn und gefaltet die beine
geballte manege protest aus
geladenen mäulern sie rauchen
wir kauen und saufen und sehen
runde wolken sich kumulieren
um sätze des löwenbändigers
die uns signalisieren: die zeit
ist abgelaufen, jetzt gehen sie
wieder auf ihre angestammten
podeste





Hauttier

die linie die dein schwanz
beschreibt wenn du gelassen
hocherhoben durch mein zimmer
schreitest katze, diese linie
spürte ich zu gern
auf meiner haut





Malzeit

das glas ist leer
zum wiederholten mal
der blick irrt ungehalten
durch die leere wüste
gedankenlandschaft unterm
kalten licht des mondes
der mond ist voll
zum wiederholten mal

der kopf ist schwer
von müdigkeit und wein
aus allen löchern rinnen
die bestimmten säfte
des körpers liebesgaben
an die leere wüste
ein kater naht
zum wiederholten mahl





Unter Wasser

         krakel spektakel
die schönheit der zeitlupe flimmert
ein leben im richtigen element:
         fangarme saugnäpfe
fließend ernähren mich wehren
im schwimmen den sack voller
         weichtiere hohlköpfe
voller tinte mich ausstoßen einhüllen
schreibend voran und tasten vom
         krakel tentakel
kopfende aus mein element erfinden
das im sturm der zeiten tinte garantiert
ein unaufhörlich fließendes orakel

Matthias Mala

             Liebeslied

         die formen des fluges
       des schmetterlingspaares
     in unvorhersehbaren winkeln
   schwingen und kopfüberstürzen
  quer und tief und hoch das tempo
steigern sie scheint's unberechenbar
  und trotzdem ohne sich zu kreuzen
   tanzen parallelen in den himmel
     so als hingen sie, zwei hände
       ab von einem unsichtbaren
         körper, der sie dirigiert





Maschen

feste, luft und stäbchen
abgehoben und gekettelt
auf verstopften speichern
tummeln sich die mäuse
beißen fäden trennen stoffe
in gespeicherten klamotten
finde ich vertraute muster
meiner kindheit: punkte streifen
so verstrickt zu einem langen
schal der mir den atem nimmt
dass ich mich trenne rigoros
egal ob mit ob ohne mäuse
neue maschen wage





Verschwommen

eindrücke entstehen
beim gehen im schnee
im schlamm am strand
die fährten der vögel
beim hüpfen im sand
auch ich ohne schuhe
vertraue dem wasser
das den abdruck tilgt

was geht mir täglich
durch den kopf und
drückt mir sein profil
in graue furchen
prägen sich erinne-
rungen tief, so tief
dass ich die spuren
nicht entdecken kann