Frank Milautzcki, geb. 1961 in Mil- tenberg, lebt in Klingenberg. War in den 80er Jah- ren Gitarrist der Punk-Band Mag- gots in Despair und der Rock- gruppe Children's Home. Schreibt Gedichte und veröffentlicht in Zeitschriften, Anthologien und Mail-Art- Projekten.

Die Grafiken in dieser Ausgabe sind von Matthias Mala. 1950 ge- boren, lebt er als freischaffender Künstler, Spiele- erfinder und Schriftsteller in München. Er veröffentlichte bisher über vier- zig Bücher sowie etliche Hörspiele und auch Comic- texte. Im bild- nerischen Schaf- fen liegt sein Schwerpunkt in Federzeichnun- gen. Er beteiligte sich an verschie- denen Ausstel- lungen.
Homepage Mala

Du erzähltest mich in den Himmel und
wir bestellten roten Wein.
»Auf dein Leben, daß ich dein Freund bin!« so ähnlich
               - In wievielen Kneipen warst Du allein
                 und schriebst die schlimmen Briefe
                 (auf Servietten und Bierpappe)?
Sei gnädig zu mir.
Trink mir keine Flausen zwischen uns.
      Zwischen uns ist noch immer ein Leben zuviel
      und mit der Nacht geht der Atem, das Lachen.






Immernoch
Ausgang des Winters,
die Zufriedenheit folgt uns wie ein Hund,
vorbei an dunklen Eibenwänden.
Die Vernehmung des Glücks schließt
       mit den Händen.
       Sie atmen ruhig in die kalte Luft und erzählen
       vom Wind im mathematischen Staub. Irgendein
       alter Mann grinst,
und irgendeine Frau küßt mich, beide
sehen aus wie du und ich und niemand fragt nach der
       Verheißung.






Durchgerutscht.
Unter den Sieben der Welt
liegt das Zwitschern der Amseln im Stadtpark.
Der eine liest, der andere schläft, einer
fixt, man teilt sich
die Reste der der Träume ---
der große Entwurf war am Ende
ein Vogel.






Zwei Huren spielen
ein heiteres Stück, an der Küste des
Djemna el Fna.
       Das Café ist um diese Zeit leer, Licht
       und Geruch, Kichern, Gerinnsel der Zeit
       lang in den Schatten der Tage.
Durch den Staub draußen weht
ein Leben vorbei und weht an der Stelle vorüber.
Doch hier wird die Geschichte erzählt.
An Stellen, wie immer
wie Soße
gebunden. Wir sind dabei.






Auch bei diesem Hören einer Gitarrenmusik
finde ich mich in Gedanken
in Las Palmas wieder, vor einem Schaufenster.
Diesmal aber finde ich den grund:
damals strich ich abgebrannt durch die Stadt -
der freiwillige Verlust, die Flucht, der Abschied,
die brennende, illusorische Hoffnung
auf ein zweites Glück, und daß du mich aufsuchst, hier
oder wartest auf meine Rückkehr nach Taghazout.
Ich betrat den Laden, griff eine Zwölfsaitige und spielte
ein Medley meiner Träume - Gitarre.
ICH spielte Gitarre.

Matthias Mala

Dein Lachen eine Boje, dein Weinen.
Wo ich konnte, hab ich dich beschützt,
wo ich es nicht konnte, hatte ich meine Leute.
Ich war sicher, ich könnte dich halten.
                (Das Hotel war billig und schien verdächtig
                 wie dein plötzliches Begehren
                 zurück nach Taghazout zu gehen.) Ich hielt
                 bis zum Schluß daran fest.
                 Nur: zum Schwimmen
                 braucht man die
                 Hände.






Zweifellos. Es besteht
ein Zusammenhang und
       EIN ZUSAMMENHANG BESTEHT AUF BANDE,
Komplizenschaft unter der Augenklappe,
die alten (springt der Affe auf die Schultern)
Lieder, der vom Mundwinkel übers Stoppelkinn herabtropfende
Rum und die Bucht
       für den Hafen im Abseits.
Hineingepflanzt in den Widerspruch bis zur Zahnlosigkeit
grüßt ein schlechter Gesang (springt der Affe unter Gröhlen
ins Freie). Was er grüßt, grüßt zurück.
       PIRATEN!, ich dachte es mir....






Und ich sah
eine weite Ebene unter mir
liegen und eine Stadt hecheln, puffende
paffende Geschäfte zwischen Himmel und Hölle
(kleines fiebriges Zeit-Vertreiben),
Zeit, die hinausfloh flußabwärts
mit den Schiffen und sich an Felswänden hinaufzog
--- weil ich bis an den Rand gegangen
     war und ein kleiner Stein
     löste sich unter meinem Tritt, rollte Biß
     hierher.