Monika Herrmann lebt als
Journalistin, Autorin und
Fotokünstlerin in Mün-
chen. Ihre Bilder sind zu-
meist Doppelbelichtungen
in der Kamera. Kein Bild
wird nachträglich mani-
puliert oder im Computer
nachbearbeitet. Das
Werk entsteht im Prozeß
des Fotografierens.
Monika Herrmann nennt
ihre Bilder Faitings (foto
+ painting). Ihre Arbeiten
waren in mehreren Sam-
melausstellungen der
Autorengalerie München
zu sehen, Einzelausstel-
lungen: Erzingen (Licht-
zeichen
, 1995); Berlin
(Das Scheunenviertel
Berlin Altes und Neues
,
1998); München (1998/
1999); Rheinfelden (Zau-
berblüten, 1999) und
Waldshut (Photographi-
sche Impressionen,
2000). Ihre Gedichte ent-
stehen assoziativ zu den
fotografischen Arbeiten,
haben aber den An-
spruch, eigenständig zu
sein. Bilder und Texte er-
gänzen sich, brauchen
einander aber nicht.

Kreuz-Variationen

Amors Pfeil An der Wand
Annäherung im Gewitter
Fahler Kuß
Gebogen
Feuerquartett
Gekreuzte Schwerter Im Netz
Lichtmal
Lichtkreuz
Meereskreuzung
Seelensäge
Über das Meer
Straßenkreuz
Ungerade
Verfehlt

Gedanken

Durch das Tiefblau des Himmels
reisen meine Gedanken
durchstreifen die Meerweiten
haben Engelsflügel und
weiße Segel im Wind
Ungebremst 
nur sich selbst
durchkreuzend
Welteneroberer
im Licht







Abschied

Wenn meine Lider sich nie mehr schließen
die Pupillen weit offen stehen
die Himmelskurve zur Geraden zerrinnt
und die Bilder auf ewig entgleiten,
will ich mich wärmen am Widerschein
flackernder Paradiese, die hinter
den Wolkenwänden zucken.
Sanfte Feuer erhellen
das endliche Grau.
Schließt mir die Augen!
Ich sehe
Licht







Machwerk

Rostblutender Stahl, zerschlagenes Glas
Hoffnungslos stehen dreckige Pfützen
im gerissenen Beton
Menschenverlassen das Werk
Keine Hand regt sich
Kein Wert mehr, der wächst
Die Zukunft liegt hinter uns
Ist lautlos zu Grabe getragen
Gras reckt sich empor
Unkraut erobert die Brache
Wenn der Wind hineinfährt
ächzt lachend ein Hohn
durch den Zaun







Lichtkreuz

Ins Kreuz gegosssen die Schmerzen,
der Verrat rostig ins Holz getrieben
Die Wunde getränkt
mit nachtschwarzer Bittergalle und Hass
Gestockt das Blut an den Händen
der Folterer, die sich zutrinken im Triumph
Kalt die Kammer im zerrissenen Herz
 
Vor dem letzten Abgrund
weit ausgebreitete Arme
allen entgegengesteckt
verwundbar und zart,
sanft wärmend im Licht

Monika Herrmann
Lichtkreuz

Rosen

Rosen blühen an der stählernen Brücke
Ich spüre pochendes Blut in den Adern
Und fürchte mich
Wenn ich die Arme ausbreite
Liegt mein Herz offen
 
Rosen blühen an der stählernen Brücke

Unter deiner Haut ein roter Schimmer
Du fürchtest dich
Gegen den Herzschlag der Angst
Streckst du die Händen aus
Dein Herz liegt offen
Rosen blühen an der stählernene Brücke







Lippen

Meine feuchten Lippen brennen
Und ich suche dich
Überall. In meiner Begierde
Liegt Pein. Ich irre
durch Die Straßen. Nur Du
kannst das Feuer bändigen,
das mir zum Kreuz wurde
seit dein Blitz
mich traf







Fenster

Als der Blick hinaus
keine Antwort mehr gab
der Ausblick nur noch eine Wand war
und keinen Horizont mehr hatte
macht er das Fenster
zu seinem Kreuz







Amors Pfeil

Flügelschläge und Tauküsse
Schweißperlen zwischen meinen Brüsten
Eruptionen in meinem Kopf
Die Vibration deiner Lenden
in meinem Leib
Atemstöße wie Feuer
Wir brennen verschmolzen
in der Ausdehnung des Alls
gebunden von goldschimmernden Fesseln
stark wie der Tod.

Monika Herrmann
Amors Pfeil

Seelensäge

Kreischend reibt sich das Rad durchs Holz
Zerteilt den Stamm, zerreibt meine Seele
Kreischend das Rad aber kein Aufschrei
Das flutende Blut bleibt farblos
Ein Narr, wer rot sieht.

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