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KARST ist eine literarische Expedition in den Wahrnehmungsraum Höhle.
Höhlen entstehen durch den Prozeß der
Verkarstung. Mit Kohlen- dioxid angereichertes Sickerwasser dringt durch Klüfte und Haar- risse in das Gestein ein und löst daraus den Kalk. Die unlöslichen Partikel werden vom Wasser ausgeschwemmt So
entstehen un- terirdische Hohlräume, die das gesamte Bergmassiv durchziehen und eine Länge von mehreren hundert Kilometern erreichen kön- nen.
Dem Zyklus KARST liegt das gleiche Gestaltungsprinzip
zugrunde. Die Wörter korrodieren zu Buchstabenschlacke, hinterlassen Lük- ken und eröffnen so neue Sprachräume. Wie Höhlen widerstreben die Texte einem schnellen Lesen und erzwingen eine andere Art der
Fortbewegung im Text, die dem Befahren von Höhlen entspricht.
KARST ist ein Vorstoß in die Tektonik schriftlicher Sprache. Die Texte sollen sich lesen wie Höhlen. Höhlen lassen sich nicht
über- fliegen. Man muß sie abschreiten, um sie zu verstehen. Ziel ist es, die Worte ihrer eigenen Gravitation auszusetzen und sie so zu zerrütten. Die Buchstaben sollen vom Leser einzeln in die Hand genommen
und wie Steine auf ihr Gewicht geprüft werden können. Deshalb ist es wichtig, daß die Texte, die von Anfang an für das Internet konzipiert waren und aufgrund ihres Formates kaum in gedruckter Form erscheinen
könnten, immer größer dargestellt werden als das eigentliche Browserfenster und mittels Scrolling abgefahren werden müssen.
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