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Brainclubbraunschweig
Mein Heimatfreizeithirn: überdrängt, dramatisiert: -
Aus Hälsen/Langeweile: Rauch und Schaugeschwätz, Independenteinmaleinse, leichte Standardtextaufgaben: einer macht grad Eingeweihtenpraktikum, andern
schmeckt das Beck’s schlecht; später: stumpfe Weltver- schwörungsschwadronie an chrompolierter Pissrinne -
Plus immer diese extrakühlen Sich-nichtver-/imwege-
steherInnen, ohne gleiche Sprache, gleiche Sache, ohne Bündnistrieb - Man inszeniert sich nah, lebt aber neben-/ gegen-her, die Fronten unaufschmelzbar hart: »Dein
Rücken steht dir.«, »Schön für mich!«: einander eisig abgeprahlt - Zu stumm, um wirklich nichts zu sagen.
Undercover
Nachtclub, dunkel, heiß. Man spioniert in Brillemantel- hut das Hauptstadtmaß: Verkleidung: alle tragen dünne Wechselreden: »Schaut mich an!«, »Erforscht mich.«,
»Schlaft evtl. mit mir.« - Allerseits so lauthalse Ideen, schamlose Posen und Mundfusseln - Ich bin noch fast nicht aufgewacht, noch überdeckt ist man darunter man
und Haut; ich denk weiter an dich: man hatte eben zu- viel an/vor/über; was nötig wäre/war: gedanklich von sich auf-geweckt/gestört und ausgewildert werden, wieder
eingetiert, je nach Natur verameist, -wolft, oder ver- schwant - Jetzt also!: Aufstehn! Machen! Nicht mehr unter fremden Regeln eigne Träume schwitzen!
Autocontrol
Schnell, schneller werden, bald ohne nächsten Gang. Der Motor wachgetankt, die Pläne vielzualt, ich vielzu- müde: lange überblätterte Alleen, leere Liebesbriefe,
Wundgeknutschmund, blaue Mondlichtflecken. Das Lenk- rad ist schön warm, dein Puls war kaum am Handge- lenk zu fassen, einmal hab ich Aderschlag an deinem Hals gesehn - Vor mir: Rück-
lichter, ein Paar, sehr schnell verunschärft sich die Sicht: verwischter Nagellack, zer- kratzte Scheiben, nasses Zahnfleisch, Lippen. Ein lei- ses Regnen will nicht aufhörn,
meine ausundzugemachten Autoaugen blenden deine Bilder aus. Ich blinde links und rechts, muss zu dir weg, fahre zu schnell, blinke nicht auf.
Sostürmisch!
Ich lese deine abständlichen Abschiedsbriefe: verletzt/verletzend kurz; die Wolkenbrüche draußen simultan. Ich sitze, ignoriere meine vollgeflennte Scheibe, auch die stillen Blitze.
In andern Augen wehten vielleicht nass- und schwergetränte Schleier, aber: Glück! mein Fenster dichtet gut, Stereo verschreit das Leid, cry me a river, meine Brille ist evtl. beschlagen;
mein nächster Anblick: - abgenutzt emotional: den Himmel, trübe noch und aufgeladen, dabei weich wie Milch und Schlüpferseide, stört in seinem Ungewitter - yeah! - ein Regenbogen.
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Monika Herrmann Feuerquartett
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2/3-D
Die Jalousien noch nicht hochgezogen, durchs Fenster aber drängt der Morgen
sich herein. Evtl. hab ich mich zu früh umgedreht: das starke Auge tief im
Kissenblind verkrochen, das schlechtere durchlichtlich aufgekitzelt; Halbschlaf
spinnt dein Bild vor meine Monolinse - Ich schiel dich aus und an, verblink dich
unscharf, bin teilweise Paar/allein; kann in dir keine/meine zweite Hälfte sehn.
Und wenn ich wach bin (bald!), will ich; auch weil das alles ist, was mich noch
retten kann, nicht Liebe mit Ermäßigung, kein absichtlich inkomplettes Einigsein: -
Mit meinen beiden Augen auf dich schaun! Und: nur niesend/lachend zwinkern!
Istichich?
Die Eltern vorne; unser Auto/Radio: laut leise aus,
Tagesaufgang über weichen Pulverbodenfeldern, Eichenlaub und Einsamkeit, ob das die Heide ist? Am Straßenrand zählt jedes Zwinkern einen Baum; und ich kann mich selbst von oben sehn, ich
Ufomännchen, Weltraumweltverlacher hab mich mir schon oft zur Selbstbetrachtung aus dem Kopf herausgeträumt mit Lichtgeschwindigkeitsgehirn und
staubkornkinderklein in diesem Seifenblasenblick - Als sie mich wecken, tut mein eines Auge weh.
Minze
Einmal: an-/hervor-gerufen - Wir
haben gegenseitig und zusammen eine Schokolade aufgelutscht, da haben nicht bloß unsre Zungenspit- zen/Stimmen süß geschmeckt, da war so viel Kakao, der Zucker ist
nicht lange nur im Mund geblieben, und über vielleicht weichen Zahn- schmelz haben wir nicht nachge- dacht - Wie schon immer meldest du dich nicht mit Namen, stimmst
jetzt etwas anders, duftest rückge- blieben/fortgeschritten alten Liebes- hunger in den Hörer; ich kau dir ein blöde frisches Gummi vor, viel- leicht kannst du die Minze riechen.
Dann kaust du zurück, und ich hab plötzlich Angst vor dem Gefühl im Hals beim Runterschlucken.
Kapuze
Du bleibst in meinem Rücken stehn, ich laufe,
Himmel schneit in Lichtgeschwindigkeit die Brille zu, sticht ins Gesicht, Kapuze eng, Weg mühsam, Flüstern wie Geschrei: alles kurz und falsch gesagt/verstanden, what if she thinks so
but just didn't say so?, vielleicht hab ich dir nicht zugehört. Augen frieren, dreadful sorry clementine, mich rückwärts fallen lassen, Toter Mann, die Beine fächern auf
und zu, die Arme schlagen Flügel, dann sehr laut der Schnee an Hinterkopf und Kragen.
Gleis 1/2
Kalter Mund, Komplex am Kragen, ficken wollen, freundlich sein, remember?
Hinter jeder Wagentür ein Stück Dezember: Schmusen, Schlemmen, Sichvertragen: wie die zwei am Bahnsteig an sich nagen! Jaha: kein Empfänger ohne Sender! Ich lutsch drinnen blaue Lippenränder,
seufz das Zugfenster beschlagen, »WIE HEISS WIRD DEIN WINTER?« fragen Lifestylehefte mich vom Zeitungsständer. Dauerbrunft für Zwölf- bis Zwanzigender röhrt mir im immerzuleeren Magen.
Liebeshunger, übervolle Krippen - Ich beiß zu und schmecke rote Lippen.
Nachtlinie
Abgaslandschaft, müde Stromflut, neonkaltes Brummen, auf der Straße
platzen Tropfen, schlagen Flaschen leck, verschluckt der Abfluss Knickfregatten. Husten, Haltestelle, grelle Wegfahrwerbung: besoffene blaue Lagune, im Regen
nassgeknickte Heutemorgenzeitung, vielleicht kommt der Bus jetzt später oder nicht, nach Plan führt eine grade Linie ins stationenweite Bett, ein Rettungswagen rotkreuzt,
blaulichtet vorbei, ich halt den Daumen raus.
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