Carmen Caputo, Jg. 65,
lebt in Iserlohn und Süd-
italien. Mitglied des BVjA
Veröffentlichung zahl-
reicher Gedichte und Kurz-
geschichten in deutschen und ausländischen Litera-
turzeitschriften und Antho-
logien. Lyrikausstellungen
im Raum Iserlohn.
Herausgeber von Pablo,
kostenl. Literaturblättern.
Preisträgerin des Iserlohner
Literaturpreises.
Arbeitet z. Zt. an einem
Buch über die Kindheit
eines ital. Emigranten in
einem Bergdorf.

Die Bilder in dieser cet-
Ausgabe sind von
Robert Schiff. 1934 in
Temeschburg/Rumänien
geboren, lebt er seit 1981
in München. Er hatte eine
Vielzahl von Ausstellungen
mit seinen Werken, u. a.:
Einzelausstellungen 1970,
1974, 1978 in Temesch-
burg; 1972, 1977 in Buka-
rest; 1981 in Köln; 2000,
2001 in München und
Traunreut. Hinzu kommen
etliche Gruppenausstel-
lungen. Robert Schiff ist
außerdem literarisch tätig
und veröffentlicht in Zeit-
schriften und Anthologien.
1994 erschien sein Roman
»Feldpost«. 1997 erhielt er
den 1. Preis der Nikolaus
Lenau Stiftung, Österreich
und 2000 war er 2. Preis-
träger des Banater Litera-
turwettbewerbs.

Straßenlieder

Ihr da draußen
gestern noch schwebte
dieses Blatt im Kalender
stand Frieden aus Holz
hatten die Kreuze überdauert
Sekundenzeiger kündeten
den Atem an
in die Stille hinein
drangen Straßenlieder
geendet schien das Gedröhn
der Zimtgewehre erst am Morgen
wird wieder getrauert.







Nur ein Lächeln

Herbstzeitlose
violett im Liebeslächeln
nicken uns zu, dir und mir
und wie ich es weiß
gar erwarte
werden die Monate verblassen
in den Zügen deiner Lust
treten wir heraus aus den Gleisen
die Stufen hinunter richten ihr Wort
an uns Laternenlichter
verneigen sich vor unserem Schatten
und der Rinnstein
lächelt freundlich im Schlaf.







Ich

Das Dorf
in dem ich wohnte
klaffte am Fels
auch später noch fast unbewohnt
gekrümmt rann der Wind
lauwarm am Lorbeer herab
der gepflanzt am Haus
meiner Elter auch der Duft
der schwarzen Rosen
streichelte die Ackersteine
verschwendete sich
in meinen Nüstern.







Regentag

Das Meer, der Tang, das Salz
so friedlich miteinander
der Wagen bündelt die Sterne zu Licht
und wog die Brandung in Schatten
Scherenschnitte nur
nachgelaufen bin ich Ihnen
und der Heiterkeit der Sole
ein jeder erfreute sich und draußen
begannen Fliederbeeren zu fallen
nur ich
ich bejammerte den Regen.

Robert Schiff: Weingarten. Öl auf Leinwand

Herbst

Jedwedes
sinkt ein
draußen die Welt
und so kam es
kunstlos standen Buchen
daneben bare Eichen
unersättlich nehme ich
ihren Atem
ihr Laub
legt sich den Weg aus
zur Böschung hinunter
ungepflügt
der angrenzende See
die Stille tief in Wein getaucht
die Stunden sammeln Farbe
der Herbst bricht die Blicke auf
und watet im rehbraunen Licht
durch die Blattfolgen im Wasser.







Menschen

Steine weichen
niemand
spricht Staub
bleibt übrig
im Schweigen
das Gras
schmückt die Blüte
die Gräber
der Wortlosigkeit
nur ihre Augen
sonnten sich
auf der Flucht.







Aufrecht

und die Winter blieben mutlos
nur über den Weilern
lag der Weg im Nebel
nicht auszumachen
Sonnenstreifen fielen und
mit ihnen Zweifel
doch der Glaube
läßt mich leben
aufrecht
will ich auferstehen.







Des Nachts

sickerte die Dunkelheit
ins hölzerne Gebälk
schwieg sich aus
in den Wänden Ton
ergaben die Mauer
in den Kronen der Lerche
fällte Eulen den Laut
das Laub gerindet
zur Erde sank
ein gemäßigter Ort
als der Mondmund
sein Lächeln setzte
und wie das Licht
atmete er die Nacht.







Ansichten

Blick aus dem Fenster
ein Hinterhof
in dem es heute
Frieden taut niemand
wollte das Leid von damals
größer und kleiner
lehnt sich mein Schatten
an die Häuserwand
auch der Mann gegenüber
wirft einen Blick
Tropfen zerspringen
auf dem Asphalt
und das rothaarige Mädchen
sieht die Anemonen blühen.