Thomas Fleck, geb. 1966
in Lünen/Westf., lebt in
Regensburg. Ehemaliger
Raucher  & Biertrinker, jetzt
Nichtraucher & Gewicht-
reduzierer. Vorlieben: mit-
tags mit Freunden im Wirts-
haus sitzen & mittagessen,
dann heimgehen, baden &
der Freundin Abendessen
machen. Lesen: Beatgene-
ration, Richard Brautigan;
die österreichischen
Kaffeehausliteraten usw. Veröffentlichungen im Internet und in »Ausge-
wählte Werke V« der
Nationalbibliothek Des
Deutschsprachigen
Gedichts.

Die Bilder in dieser cet-
Ausgabe sind von
Robert Schiff. 1934 in
Temeschburg/Rumänien
geboren, lebt er seit 1981
in München. Er hatte eine
Vielzahl von Ausstellungen
mit seinen Werken, u. a.:
Einzelausstellungen 1970,
1974, 1978 in Temesch-
burg; 1972, 1977 in Buka-
rest; 1981 in Köln; 2000,
2001 in München und
Traunreut. Hinzu kommen
etliche Gruppenausstel-
lungen. Robert Schiff ist
außerdem literarisch tätig
und veröffentlicht in Zeit-
schriften und Anthologien.
1994 erschien sein Roman
»Feldpost«. 1997 erhielt er
den 1. Preis der Nikolaus
Lenau Stiftung, Österreich
und 2000 war er 2. Preis-
träger des Banater Litera-
turwettbewerbs.

um ½ zehn vormittags an einem fensterplatz der paderborner
flughafenlounge sitzen & veltins trinken
fast entspannt mit gesenkten
schultern sich
lächelnd seinen depressionen
hingeben
frisch geduscht sein & die neue unterhose an
ein weiteres bier
bestellen
viel zu früh für diese uhrzeit es
hastig wegtrinken & einen wässrigen entwurf
der künftigen ereignisse
im blöden kopf haben wenn petra gleich
kommt    unpünktlich
& geil mit erigierten brustwarzen
nervös über ein drittes bier nachdenken    wissen
daß man zwischen den zehen
stinkt   jetzt
schwitzend an die gemeinsame wohnung in dortmund denken
für die meine von mir belogene freundin
die miete zahlt während
mein schlechtes
gewissen   mir
aus den achselhöhlen tropft







In A Different Climate

ich höre mallard & schau dabei beim fenster raus:
gigantische türme salzweißer wolken
an einem himmel der blau wie das mittelmeer ist
»Jawoll!«
sag ich
» .... das nenn ich einen bairischen Vormittag.«
& träume von der weißwurscht
auf dem weg zum biergarten
pfeift ein wind über den domplatz
daß man sich wundert
nur die donau hinterm diözesanmuseum vorzufinden
& nicht die côte d’azur zum beispiel
oder so







                                                 schade eigentlich

es wäre jetzt schön nach
hause zu gehen &
ein wenig zu weinen –
so angewidert von der höflichen heimeligen italienischen
mediterrano
atmosphäre
& der ich muß es zugeben
wirklich sauguten musik da
herinnen –
eine live-aufnahme irgendeines dahergelaufenen italienlocalheros
den ich bedauerlicherweise nicht kenne
aufgelegt von dem
immer freundlicher werdenden barmann der
angesichts des unberührten spätnachmittags die gesamte kneipe
die küche ausgenommen
allein schmeisst   natürlich
sein chef telephoniert unablässig          zwei
fragen:
       will ich wirklich zuhause weinen?
         braucht man kalbfleisch für >saltimbocca alla romana<?

- (wie billy joel meint: ‚Scenes In An Italian Restaurant‘
nur
es kommt hier zu keiner szene!)
vielleicht bin ich ja zu früh
da     &
ich würde zu gerne mal jemand kennenlernen
die charlotte heisst
eine marie kenne ich schon –
ich muß los
ich brauche salbei aus dem großen unzufriedenen supermarkt zwei
straßen weiter
kalbfleisch hin oder
her

Robert Schiff: Blick über die Mauer. Öl auf Leinwand

>>Turbulenzen über Monte Video<<

   - die sonne hat noch brennstoff
für vielleicht fünf milliarden
jahre
bevor ihr gravitationskollaps
sie zu einem weißen zwerg werden läßt -

schau nur an
   da sitzen wir hier rum
wie in einer pickligen teenager-romanze
& protzen ein bißchen mit unserer jugend
friedlich & harmlos wie ein schaumbad


die sz aufgeschlagen
miles davis in münchen
viel zu viele zugeständnisse gemacht
gepflegte langeweile auf hohem niveau
lufthansa maschine aus ungeklärtem grund vor uruguay in den atlantik gestützt
nur weiter
haben wir nur noch warmes bier? tu ichs mit einem schulterzucken
                                                   ab       versuche zu furzen
scheitere aber     LECK MICH DOCH AM ARSCH
ICH MÖCHTE TAGELANG BETRUNKEN BLEIBEN!!
sacke wie epileptisch zusammen & kotze







<< Wenn Sie sich nur einmal eine 1/4 Stunde auf einen Stuhl setzen und auf Ihre innere Stimme hören

würden, wäre die Hälfte Ihrer Probleme gelöst!>>
ich setze mich augenblicklich hin
schließe die augen & warte
ich höre nichts
stattdessen träume ich meine eigene person
wie sie aufsteht
nach haus geht & sich im badezimmer erschießt

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