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A. Reichel lebt mit einigen Tieren am Rand des Soon- walds, hat vormals Allg. und Vergl. Literaturwis- senschaft, Philosophie und Germanistik studiert, zeich- net, malt und schreibt.
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Die Bilder in dieser cet- Ausgabe sind von Robert Schiff. 1934 in Temeschburg/Rumänien geboren, lebt er seit 1981 in München. Er hatte eine Vielzahl von Ausstellungen mit seinen Werken, u. a.: Einzelausstellungen 1970, 1974, 1978 in Temesch- burg; 1972, 1977 in Buka- rest; 1981 in Köln; 2000, 2001 in München und Traunreut. Hinzu kommen etliche Gruppenausstel- lungen. Robert Schiff ist außerdem literarisch tätig und veröffentlicht in Zeit- schriften und Anthologien. 1994 erschien sein Roman »Feldpost«. 1997 erhielt er den 1. Preis der Nikolaus Lenau Stiftung, Österreich und 2000 war er 2. Preis- träger des Banater Litera- turwettbewerbs.
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I Ein Mädchen, wie ein Mädchen, langbeinig mit bloß einer Sandale, rechts von ihr hingelegt, der rehbraune Mantel. Eurydike auf dem hellen Treppenabsatz, poröser Kalk, ein Bein ausgestreckt, am Fuß die zu lose geschnürte Sandale, das andre auf die letzte Stufe gestellt, stützt den Arm, die offene Hand, in welche das Haupt sie gelegt hat, die Fingerkuppen fest, fast und beinah an Haupts Schläfe. (gedächtnistrüb) Wer weiß, wie lang sitzt sie da? Das Stirnzelt über ihr gaukelt um sie mit Lust, wiederholt um sie in kühnen Läufen. Nicht und nie ganz dunkel, manchmal und beinah wie vom dunkeln Akkord, dem mächtigen, meiner Nacht!, übervoll prunkend tiefroter Segel, in denen die Sonne hing und nicht weit der Mond. Du erinnerst dich an die Fahrt?, zum goldenen Vließ, hieß es, violett sich kräuselnder Schatten auf unserer lieben See, und an die erbeutete Brise vom gläsernen Fell von der Welt, vom hellen Gelächter-. Die Bäume gucken schon herein. Wie Bäume einen langen, stillen Blick forschend werfen durch die Fenster. Unter uns, kriegst eine Gockel: lotrecht abwärts!, plumpsend auf den Wipfel dein, knarzt es, wiegt sich leicht in der Krone. Du lachst? In einiger Entfernung tanzen die Rauchfahnen jetzt, werfen anmutige Schatten aufs schneebedeckte Hausdach, lauter springende Gazellen, aber nicht eine Spur, Rauschbläue. Alles ist noch da, aber woanders. Aus den Augenwinkeln, in einer 24stel Sekunde: Az schlüpft hinter die Gardine. Drauf zieht hörbar durch die Nase Luft ein , und aus, es ist geschnaubt, steht auf, geht hin, wackelt an seiner Sense, die schlecht verhüllt, noch herausguckt. Du kannst im Übrigen herauskommen; mache bloß keine Umstände. Da fällt er aus dem Stoff. Von Fern will einer beobachtet haben, daß sie plötzlich aufgestanden sei als einer größer als sie, sie verdunkelnd, vor und neben sie getreten sei. Es habe nach Mandeln geduftet. Das Bild habe bald schon sich aufgelöst. Auch sei sie im rehbraunen Mantel mit einem Geigenkasten, den vordem niemand bemerkt haben will, verschwunden.
II Wie wird bewahrt? In Kästen oder gar in Kammern. So dachten die(!), doch denken täte dem der Ehre schon zuviel. In Kästen, in Kammern stickig und eng. Bläulich Dir in die Schläfe gezeichnet, bewahrst Du! Bewahrst das Bewahrte kindlich, es wiegend in die bläuliche Sichel von Blicks Finsternis gelegt, der Finsternis von allen nebenbei, wenn ihre Blicke glänzen. Für dich keinen Sarg!, so der Dunkle zu Eurydike, du wirst Bote und eiserner Spiegel, in den einer schaut und meint, es wäre sein eigenes Geschick, das ihn zerreißt.
III Fortan berührten Eurydikes Füße nicht mehr den Erdboden. Sie sah sich etwas angehoben. Dennoch wanderte sie ohn Rast und Ruhe. In einer Nacht traf sie den Mann am Strand, der trug umnächtigt eine Sonnenbrille. Es war sehr interessant. Stumm und auch nicht in Flammen stand sie bei dem für eine Weile, der sie nicht sah, ahnungslos sein wollte, und es auch war. Sie sagte dann recht unvermittelt, daß das schon viel wäre, dachte noch bei sich, ein starkes Stück, wie der da läge in seinem Reifen, wäre ordinär, das wollte ich meinen, obwohl es herschimmerte von langen, langen Beinen.
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Robert Schiff: Gottesanbeterin. Öl auf Leinwand
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IV Willst Du in Gedanken schweifen, nimm den Hintern aus dem Reifen! Eine oder eine andre dunkle Freude wirst du dir einhandeln. Du kannst die Schönen aber nicht erkaufen. Das Mädchen geniert zur Seite blickend.
V Du stellst dich heute wieder bei uns ein. Engel, wer begleitet dich? Mit seinem Reifen, neben dir, hinzu unordentlich. Äußerlich in diesem Licht, als wäre der aus einer großen, blaßen Mandel, geschält und geschnitzt. Der bliebe wandernd besser hinter dir . (Eurydike ärgerlich) Er ist Saturn in seinem Kreis, schwer melancholisch, kalt. Erdfernster, den ich fand, mein lieber Bruder.
VI In der tiefen Feste hielt es sie nicht. Und wirklich das Mädchen eilte nun immer Sa einen halben Schritt voraus. Sie liefen in die Zeit, in der das Licht zunimmt. Sa verweilte gern am Weg. Eury drängte vorwärts. Blattlos der Baum und der Strauch. Glänzen schwärzlich, wo sie aus Nebeln tauchen, langsam auf vom Wasser. Es faßt sie nichts. Bei hellblauem Geringlriesl von Metall, doch froh, bei dunkelnd braungoldenem Glucks, freundlich vor der Schwärze noch sehr nah. Von irgendwo halbverschluckt ein Gelächter. Ich geh, knistert hinein der Schnee. Über dem, sehr hoch am Himmel ausgestreckte Zungen Wolkenachats. Allmählich, erst sehr zart flutet den Himmel Violett. Welches Ziel wirft deine Hast, warte! Warte, Eury!, Sa rief vor einer Felsenwand. Des Schnees in seiner Hand, den er gekostet hatte, vergessen. Sa tastete die mit dem Blick Meter für Meter. Aufblickend entdeckte er jemand überm Rand. Unerkennbar, schwarz im Gegenlicht.
VII Es schien, einen Fuß vor den anderen gesetzt, beileibe nicht starr doch ebenso sicher im Stand, reglos ragte die Gestalt übern Fels, Steinbrech glomm hinauf, und als erreichten Böen anstürzend, wirksam sie nicht; blickversendend, sengend frei, ich sehe, streifend durch die blaue Luft himmelauf. Den linken Arm hielt sie leicht angewinkelt hoch. Teilte den flirrenden Strom. Drei Takte voraus. Vom Horizont löste sich ein Punkt. Da kam er. Schlug die Saiten-Schichtenluft, die blautönt, schon ins Grüne, fand einen prächtig gelben Klang und Bogen Lichts vor dem, an dem entlang er raste. Orph schoß heran, im Segelflug gezeichnet noch einen Bogen, mit noch ausgebreiteten Flügeln landete er auf dem gebotenen Arm, saß. Schlug noch ein paar mal das knisternde Paar Flügel. Dann hat er fröhlich sein Kopfgefieder gesträubt.
VIII Es rundete sich zum Oh, sank, schob und spiegelte sich die muntre Kreatur darin. Sas flüchtiges Staunen, wie schattig dagewesen, ihm gegenlichtig eingebildete Schatten. An Vogels Brustbein ihr geneigtes Haupt, hauchend hell ins Gefieder. Schnabel kämmt das wirre Haar.
IX Lachend. Den Schnabel voller Vokale. Verschwinden nicht, sie mausern. Im Akkord.
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