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Dietmar Tauchner, geb. 1972, lebt in Niederöster- reich. Autor von Dramen, Prosa und Lyrik. Publikati- onen in Online- und Print- magazinen, u. a. »Masken- ball«, »Tundra«, »Dulzi- nea« und »Borders and Time«. Preisträger der Nationalbibliothek des dt. Gedichts 2002. Gründer des Wort-Ton-Ensembles »Zamzama«, das altorien- talische Musik und neo- okzidentale Texte und Haiku kombiniert und mit traditionellen Instrumen- ten performiert. Der hier vorgestellte Zyklus »Erkenntniswintergarten« existiert auch als limitierte CD-Edition.
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Die Bilder in dieser cet- Ausgabe sind von Robert Schiff. 1934 in Temeschburg/Rumänien geboren, lebt er seit 1981 in München. Er hatte eine Vielzahl von Ausstellungen mit seinen Werken, u. a.: Einzelausstellungen 1970, 1974, 1978 in Temesch- burg; 1972, 1977 in Buka- rest; 1981 in Köln; 2000, 2001 in München und Traunreut. Hinzu kommen etliche Gruppenausstel- lungen. Robert Schiff ist außerdem literarisch tätig und veröffentlicht in Zeit- schriften und Anthologien. 1994 erschien sein Roman »Feldpost«. 1997 erhielt er den 1. Preis der Nikolaus Lenau Stiftung, Österreich und 2000 war er 2. Preis- träger des Banater Litera- turwettbewerbs.
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Sonne: Licht Auf Blättern des Septembers, Grün-güldner Glast Im Jahreszeiten-Augenblick Unter blauen Brauen- Gewölbe.
Licht, weiß, Umblättert den Grün-güldenen Glast, Dessen braungebrannter Gast Ich hier bin.
Lachen und Leere Im würzigen Duft Des goldenen Laubes, Der grellen Gräser Im aufgebäumten Raum Des blühenden Verfalls.
Lachen und Leere Im blinkenden Auge, Das offen Sinn macht Und geschlossen noch Ungesehenes, Ungeschehenes Bewacht.
Ich strecke mein Baumbein Und schüttle und schüttle Und lache und lache Mich Aus.
Bewegung ist Spiegelung Von Starrsinn.
Ich sehe auf: Über dem Ahnenanger Lichtet sich die Sonne Frühmorgens rot-violett. Eine neue Welt entsteht, Für eine freie Weile Der Vergänglichkeit. Laub, herbstzeitlos, Tanzt aufgrund Einer Prise lauer Brise. Wolken reisen vorüber, Geben eine Richtung vor, Spielen Himmelweg- Weiser, als wäre ihr Weg zu wählen, Und sind nur windbestimmt. Laub tanzt immer noch, Nun deutlich geschwinder.
Bewegung ist Spiegelung Von Starrsinn.
Ich sehe ein, Daß gerade Frühling ist Oder Herbst, Und sehe aus, Als wäre eben Sommer Und ich ginge Über einen Sonnenblumenbühel Und mich nichts mehr an und Unter, sonnenhaft, Nacht für Nacht, Winterlang.
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Robert Schiff: Alte Flaschen. Öl auf Leinwand
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Herbst-Herbe, Fortschreitender Verfall In jeder fruchtspendenden Scholle, Auf jedem erlaubten Zweig. Ein Nachtpfauenauge Erblindet im rotverschobenen Abendlicht Auf einer netzhautsalbenden Ringelblume.
Der nördliche Erdteil Wendet sich ab vom Licht, Erwartet die Verdunkelung Seiner Tage.
Allerdings glitzert anderntags Neuschnee im Blauverschobenen Morgenlicht Wie eine winzige Sommersonne in spe - Vom Auge der Nacht Wahrgenommen.
Schnee fällt, Befällt die matte Erdoberfläche, (Deren klarsichtverhüllte Not-Lügen-Scheibe). Temperatur stürzt, Bestürzt die Tage des Lichts. Ich besteige Den Hausberg des Selbst, Steige und steige, Wie warme Luft, subzero- Temperiert, Im weiten unauffälligen Atemraum, Auf zum Sonnengipfel Des Verstehens.
Ich steige, ohne daß es auffiele, Tief hinab In die frühe Dunkelheit Immer kürzer werdender Tage,
Und das an einem Montage- Montag im November.
Schnee, Schnee, ver- Frorener Regen, In Erstarrung Fallender Fluß,
Dringt Flocke auf Floskel Zur kristallin tränenden Hirnanhangdrüse vor.
O Lebens-Fall Aus neunzigpro- Zentigem Wasser:
Oben ist unten, Draußen ist drinnen.
Quellen-quick Träuft Hirnschmalz Zu Boden.
Sonnenlicht Flutet über ein unbegangenes Schneekristallfeld: Glanz Entsteht
Durch Brechung.
Ich stapfe, be- Sonnen, hin- Durch.
Lärche im Winter: Einige wenige Rest- Nadeln Stechen braunge- Dörrt von der Kälte Ins Luftfleisch Des Winterskelettes; Die anderen sind schon Gefallen, liegen Bestochen im eisigen Staub- Zucker- Schnee.
Schneekristalle haben Sich als Surrogat- Oder Phantomnadeln Formvollendet An den Zweigen Der kahlen Äste Fest- Gefroren.
Schnee, Schatten Einer Zukunft - Der kein Morgen Kennt.
Sonne, Lichtkugel Eines Gestern - Die ins Heute Kegelt,
So daß Schnee Fällt, Fällt.
Im winter-wilden Garten, Not-rot-belichtet, Versatzen
Erkenntnisstücke, wurzel- Bar und rottwelsch- Gewächsumwunden, Dem verschollenen Erd-Grund Durch Handanlegung abgerungen, in Faul im Schoß liegenden Eishänden und rostgeflochtenen Eisenkörben.
Erkenntnis, weiß, Immer noch, Weiß nicht, Immer noch nicht, Weiß nichts Vom wilden Werden, Das ihr blüht.
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