Wolfgang G. Fienhold, geb.
in Darmstadt, lebt in Frank-
furt/M. Mitarbeit an Hunder-
ten von Anthologien, Ver-
öffentlichungen in Zeitun-
gen, Zeitschriften und im
Funk. Mehrere Literatur-
und Förderpreise. Etliche
Buchveröffentlichungen,
zuletzt: Goethe, Charlotte
und ich
und Wegen Todes-
fall geöffnet
.

Die Bilder dieser Ausgabe sind von Challo Achmann, 1949 geboren, als Maler in München lebend. Er hatte etliche Veröffentlichungen und Ausstellungen seiner Werke im In- und Ausland.

Ankündigung
(Eine nichtindianische Erkenntnis)


Wenn die letzte Flasche Wein geleert
die letzte Zigarette geraucht
der letzte Kaviar gegessen
die letzte Rolex verkauft
der letzte Rolls gepfändet
sein wird
werde ich feststellen
dass ich mich von Wasser und Brot
nicht ernähren kann
und dann wird sich die Trommel
des letzten Revolvers drehen








Freund Ben

Vier Wochen pendelte
die Leiche bereits im Wind
Baumbewohner hatten sie
gerne adaptiert
die Maden in den Augäpfeln
waren nicht abgehalten worden
durch die Plastiktüte
die sich Ben über den Kopf
gezogen hatte
die Würmer störte nicht
die Überdosis Barbiturate
im Verdauungstrakt von Ben
die Fliegen liebten
das Blut aus den aufgeschnittenen
Pulsadern
Ben hatte an alles und alle gedacht
und in seinem Abschiedsbrief
geschrieben
dass die Tabletten von Sandoz
die Klingen von Gillette und die
Tüte von Aldi waren








                                        LIEBE


ist

               eine Himmelsmacht
               blind
               süss
               das Amen des Universums


               kälter als der Tod
               nur ein Wort
               ein chemischer Prozess


               der Glaube an Wörter
               mit einer kurzen Halbwertzeit

Challo Achmann

Archiv

ich rieche den regen, bevor er fällt
fühle die nacht; wenn nicht einmal die
dämmerung eingesetzt hat
pflanze bäume in die wüste, habe meinen
zweiten wohnsitz kurz hinter andromeda
lache, falls sie mir keinen witz erzählen
weigere mich mit ihnen zu sprechen
höre nichts weiß aber, was sie sagen wollen
male manchmal wolken an
spiele poker um plutonium
singe selten mit den vögeln
sterbe nicht
habe nie gelebt








und immer

sind sie in der verwirrenden morgendämmerung
oder am vorabend des umbruchs
und immer ist es fünf vor zwölf
oder kurz danach
ewig halten sie die hoffnungen der jugend
und pachten in ihren besten jahren
ein stückchen weisheit für das alter
und immer wissen sie den weg
oder kennen einen schönen namen
der ihnen weiterhilft
und haben sie endlich die ruhe
die sie gar nicht wollten
sehnen sie die absolute dunkelheit herbei
oder warten auf den nächsten großen namen
und gott bedauert wahrhaft
daß es ihn nicht gibt