Günther Kaip, geboren 1960 in Linz, lebt als Schriftsteller in Wien. Eine Vielzahl von Veröf- fentlichungen im In- und Ausland in Anthologien, Literaturzeitschriften und im Radio. Bücher u. a.: Andersland, 1994; Novak,  1996, Nacht und Tag, 1999; Vademekum für Körper, 2001.

aus den händen
steigen
bienen auf
- wie das
kitzelt

unbefiedert und nackt
heiter und zart
LICHT STEIGT AUF
UND DER SCHRITT WIRD HEITER
bals schwebt er
nach dem freien fall
aus dem auge des himmels

großer vogel + kleiner vogel mit wickelrock +
freistehender strich (gerade entlassen)

sich einfach zu erheben flügelschlagend
eins zu werden mit der nacht

es war drei uhr früh
drei uhr früh war es
und der luftraum bevölkert
von unsichtbaren schatten
und die gräser und schilfe
standen am seeufer in
reih und glied
beobachteten den flug
den vogel die nacht

nur du allein
sollst die
welt erfüllen
schmücke sie
tränke sie
blende sie
- aber stehe mit
beiden füßen
auf ihr
das wäre von
vorteil
sonst fliegst du
davon

und der regen fällt von den sternen,
und auch der atem

glaubwürdigen berichten zufolge schlagen die flügel wurzeln, damit die wurzeln fliegen, und

laß den balkon geöffnet, ich komme wieder,
muß nur mein herz ausleeren,
von den zerbrochenen Flügeln
und den träumen vom moos

erinnerung zu liegen in der warmen sonne klar im irdnen napf die milchkuh im stall und auch anderes getier kartoffelschmaus für alle und dann das band ins aug gefräst die kugel mit scherben zu halbieren und mit erde zugedeckt

erblindet vorwärts immer vorwärts
so leuchtets feurig
in jedem kleid

sich den weg freimachen
nach einer langen durchzechten
nacht
weit ausschreiten um zu sehen
was im schritt liegt

fünf kurze
jahre
viel hatte sich
getan
und ein
gedanke floß
aus dem auge
- und das herz
schlug den takt
beim glanz der
kerzen
aber nur
zornesworte
hallten wider
         umstrahlt

ANSTATT DER
LIEBE
       EIN BAUM

von stolzem licht