Frank Schmitter, geboren 1957 in Krefeld. Textre- dakteur in einem Medien- konzern in München. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Buchveröf- fentlichung: Der Atem der Schlittenhunde, Gedichte, 2001.

Die Bilder dieser Ausgabe sind von Challo Achmann, 1949 geboren, als Maler in München lebend. Er hatte etliche Veröffentlichungen und Ausstellungen seiner Werke im In- und Ausland.

Hinfallen

Sonntagsbesuch bei entfernten Verwandten
denen ich mein erstes Zeugnis auf
die Kaffeetafel lege meine Augen wachsen
fest an einem Soldatenbild »das ist unser Sohn
im Krieg gefallen« ich schweige drei Stücke
Marmorkuchen lang wie fällt man im Krieg
oder fällt man so hier, in dieser Stadt,
steht nie mehr auf nur in Fotos mit Goldrand?
Mein Vater, später, zieht mir den Mantel an sagt Ihr
Lieben schiebt mich raus in die Dunkelheit
sagt da sind Stufen fall da nicht hin








Alte Zeiten

Vor zwölf Jahren
(als wir uns eine Halbe und eine Zigarette
teilen mussten)
liefen wir durch den Parcours der
Schlafzimmer-Ausstellung

grinsten Zitate aus einem Film
von Truffaut wo zwei Verliebte
es treiben mitten in der Öffnungszeit
in so einem scheußlichen Doppelbett

Das würde mir gefallen, sagst du jetzt,
und schnippst vor das Preisschild,
für den Fernsehabend mit den Freunden
in Raten schaffen wir das locker.








Paris, ein

schäbiges Hotelzimmer
mit Blick
auf ein anderes
Hotelzimmer
gleich gegenüber
in dem ein Mann
einen Instrumentenkoffer öffnet

und einen Fetzen aus dem
»Letzten Tango von Paris«
in meinem Kopf freischießt -
wo ein Mann aus einem Hotel
in ein anderes genau gegenüber schaut, wo
ein Saxophonist übt und seine
farbige Freundin
ihm im 4-Stunden-Takt
einen bläst

und jetzt kommst du
aus dem Bad
legst deinen Arm
und eine schöne Phantasie
um mich

Wassertropfen
morsen auf meinem Nacken
deine Finger auf meinem Bauch
und tiefer

aber ich erlass dir gerne
den Kniefall mein
Hauptgericht in deinem Mund

für ein Saxophon
eine Handvoll Noten
oder irgend etwas
das mich durch diesen Tag
bringt und
vielleicht noch den nächsten

Challo Achmann

One Night

stand MEINER
ganz beachtlich
deinem Kehlkopf-Staccato nach
zu urteilen
während mein Blick
dein Zimmer erkennungsdienstlich
behandelt tropft es aus
meinen Kondom taktgleich
mit dem Bier von deiner Unterlippe
und ich weiß
plötzlich nicht mehr
was es hier noch
zu reden gibt








Du machst mich

an mein rechteckiges
Auge 7000 Hertz
takten nach dir mein
Mauszeiger ist
wild auf all deine
Optionen
du formatierst mich
neu defragmentierst
mich ich will dich
betten auf
meine Festplatte
da ist noch Platz
für immer u. ewig