Dietmar Tauchner, geb.
1972 in Nieder-Österreich,
Sozialpädagoge und Autor
dramatischer, epischer und
lyrischer Texte. Diverse Internetpublikationen, Niederngasse, Textwelt.
Regelmäßige Lesungen;
derzeit entsteht der Erzähl-
band Die Fährten des
Absurden
.

Die Bilder dieser Ausgabe sind von Challo Achmann, 1949 geboren, als Maler in München lebend. Er hatte etliche Veröffentlichungen und Ausstellungen seiner Werke im In- und Ausland.

3. Memento Mori

Im angelebten Chronikkreislauf,
In dem die Schwertlilie
Mich mit Stirnstaub und Schwarmliebe
Bedeckend und bedenkend,
Zum Gärtner geschlagen hat,
Zur Narzissenstunde der Efeuzeit,
Gehe ich mit mir fremd,
Zu Tode.

Der kursierende Westwind,
Der den Lebenslinienradius vermißt,
Kuriert zentrifugal
Das kuriose Curriculum-Rad
Ins geschwinde
Verschwinde-
Gewinde und

Kuriert darin:
Mich.








4. Memento mori

Tod: einzige
Beständige Möglichkeit.

Schwindel
Der Freiheit.








6. Memento mori

Vorsommer-
Hochdruckperiode,
Die mit wellengelenken
Hitzemörsern schneeweiße
Kirschblütenblätter zermalmt,
Die tief gegen die Zeit hängend,
Nadirwärts fallen.

Periodischer Vorsommernachdruck:
Alles Bekannte flimmert im Zenit;
Nichts, das Fortdauer gewährte,
Weder Leben noch Tod.
Im Schatten schläft
Dein sonnengereifter Kirschmund,
Ich schlafe darin.








7. Memento mori

Ich bin
Klein-
Lich nich-
T nur
In den Au-
Gen
Eines Heli-
Kop-
Ter-
Piloten,
Son-
Dern auch
In deinen
Und meinen.

Das ego-
Zent-
Rische
Weltbild wird
Luftgelöst fallen
Wie das geo-
Zent-
Rische.

Komm, ko-
Mm, Ko-
Per-
Nikus,
Komm, ko-
Mm, Heli-
O-
Hege-
Monie.








9. Memento Mori

Windwehen, darin
Wiegt sich schon eine Alt-Geburt;
Wartet schon ,  wehberauscht,
Auf ihren neuerlichen Ein-Satz,
Der vom Wind souffliert wird
Und mit ihm weiterzieht.

Windstille:
Der Ein-Satz entfällt,
Regengleich, der Akt-Geburt,
Wie diese dem Wind zuvor.
Vergessen ist da,
Vergessenes ist da,
Ist da,  erinnerbar.

Windstille.
Erinnerung rinnt wie
Uriger Sand aus den Uhren,
Rinnt und säuselt und souffliert:
Man muß überstehen
Bevor man untergeht.

Die Alt-Akt-Geburt schweigt
Und hört sich
Auch das noch
An.

Challo Achmann

10. Memento Mori

Sonne, Eigendünkelwort,
Hat Haut und Hirn verbrannt
Am Schmelzpunkt der Milchstraße der Siedesiedlung;
Ihre scheinbar untergehende Röte
Als Brandzeichen ins Mondgesicht
Ge-
Malt.

Sonne, Gesterngespinst der Morgenlitze,
Wir sehen dich
Blind,
Augenkarta-
Falk.








11. Memento Mori

Gott ist tot,
Es lebe der Tod!

In einer Sole-Priele
Zwischen Entgleit und Halt
Treibt eine Lebens-Zille,
Vom Fluch-Fort inmitten der Sintflut
Kommend,
Nach den erloschenen Rett-Sign-
Alen der Brauchtumsleuchtürmer
Am Furchtgestade der Irrtümer;
Die Zille setzt sich am Ziele fest.

Tod:  Fortsein.








12. Memento Mori

Güte-Früchte der Siegel-Liebe,
Vom Blau-Geschlecht
Im irdenen Garten der Abscheu genossen,
Reifen und führen
Ins Verderben.

Im Euphorie-Spiel
Zwischen
Macht und Hin-
Gabe,
Schiedsrichtet der
Tod
Den ewigen Aus-
Gleich.
Die Siegel-Liebe
Bleibt unter Ver-
Schluß.








13. Memento Mori

Der Augen Blick
Führt
Im Augenblick
Den Körper
Zu dessen Haltung,

Von dessen mentaler
Vor-Form
Zu dessen momentanen
Standpunkt.

Im Nacken sitzt uns
Alleine des spannungs-
Lose Tod,
Dessen Leere,
Deren Lehre
Der verantwortlichen Freiheit
Für den führenden
Augenblick.

Ent-
Scheide
Das Spontan-Organ!








14. Memento Mori

Ein mundwarmer
Zungenzapfen
Klebt an einem
Eisblumendurchwachsenem
Glasgewinde,
Das sich
Splitternd in Frag-
Mentales bohrt;
Fragtal-frakturierend,
In entropisches Chaos.

Nur der leere Tod
Wird voll-
Kommen
Ent-
Gegen-
Gehen.