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Claudia Teschner, geboren 1954 in Berlin, Studium der
Musik, Psychologie und Li- teraturwissenschaft, Tätigkeit als Psychologin. 1984-1993 Herausgeberin von MANNA Zeitschrift für internationale Poesie. Ver- öffentlichungen in Zeit-
schriften, Anthologien und Künstlerbüchern. Teilnah- me an verschiedenen Fo- toausstellungen. Bücher u. a.: Geschürte Fluchten, 1993; Doppelgängerinnen, 1997; Mitlesebuch, 1999.
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Die Bilder dieser Ausgabe sind von Challo Achmann, 1949 geboren,
als Maler in München lebend. Er hatte etliche Veröffentlichungen und Ausstellungen seiner Werke im In- und Ausland.
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Das Netz der Hunde
Dass schnee ist und hunde und hütten
dass kinder dabei, ein jagender rüde, horizont, der in weiß und weite zerläuft, etwas hört auf
sieht sie zum himmel mit den manchmal streifenden vögeln, zählt sie die schnittstellen
was nach nichts aussieht starrt sie als wäre dort etwas, schreibt sie und schreibt bis sie es auswendig weiß
und nichts mehr zu holen hält sie die schultern ins zimmer
und liebt jetzt die schritte der nachbarin
oben, trifft sie von weitem das gleich und gleiche gebell unauffällig gewöhnlich wie immer
(Auf Fotos von Pentti Sammallahti)
Ich-Tier
Gesenkten haupts mit den augen der seele, flechten nagende demuts gestalt - fell deckt die knorpel der hörner, bevor
sie sich blank scheuern werden, mit ihren sprossen zu groß für den niedrigen rist, so dass eine krone aus dornen sich vor mir bewegt, wenn im
gehege die kinderhände nach ihnen greifen, aber im wald traf ich keine, blieben sie unsichtbar fern im dorf nur ihr herber geruch als leder und fell
als wurst oder fleisch und hinter
der schaufensterscheibe ein bündel aus weide mit flatterndem gehörn
ich suchte es hinter den bächen, auf sumpf und morast und fand ihre bohnen, alte vertrocknete losung
in den hürden drüben am gletscher, wohin
es mich trieb auf wippenden latten, über knüppeldämmen und bretter trieb es mich weg auf die halden der fjelds
Ritual
Die schreie sind lauter diesmal und größer die schwärme der vögel die sich zu wolken verdunkeln, feucht die flechten des nebels, das
heidekraut in der mulde, in sich
gekrümmt der pilz mit den sprenkeln, der eingerissenen kappe, um uns das fliegen zu zeigen - wir schließen die
augen wir hören die halle der gänse aus einer anderen welt
die meldung von aufbruch von ausbruch - wir streichen das kraut
den rücken hinab, die erika über beine und brüste und greifen im rhythmus des atems nach den
borken der weide - wir tasten das moos
weich wie fell legen geschenke in die höhlung hagebuttenes leuchten äpfel und sesam hinein und einen glanz der kam aus dem wasser aus verlaufenem
licht der war zu etwas dazwischen geworden fast knochen fast stein ein wedernoch-beinahsowohl als auch den schimmer perlmutt
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Blind date
Wir schlendern, da er die augen verbindet
ich höre um mich die stimmen habe sie nie so gehört
dich vergessen wir schnell höre ich sagen, aufgeschnapptes wort, das einer sprach, jemand und etwas
dann verebben die stimmen, ich spüre den ellbogen (meinen, auch seinen) zittern von kuppen von spinnweb
als er die binde entfernt
es war ein brennnesselgarten
Eiskeller
In einer nische neben dem ausgehebelten tor, dem marienbild gegenüber, der verloschenen kerze
geschrumpft getrocknet gebogen
ein bleckender zahn
und klaffen am abstieg (kein teelicht, kein grablichterrot)
schrift, zusammengestaucht und -geschoben
liest am müllcontainer den ort
an seilen gehängte becken und glocke bereiben einander blechern und schäppernd und klirren, wenn wind ist
Entzündung
Unter den zelten zieht die luft freier, schlängelt der atem seine ellipse zerrt wind und zurrt an der plane
die rund zum boden gebogen ich höre den wind, züngeln knistern und schreie ein loderndes zimmer entflammt vor den zelten
säcke mit schlaf mit schnarchen gefüllt liegen jetzt luftig unter den fladen von glut die jagen hinüber zum morgen
Wohnung
Häuser und bäume sind mir bekannt im unterschied zu den passanten
ich sehe mein haus die dunklen fenster der wohnung habe noch stimmen im ohr schritte vögel motoren
das klappen von türen gedanken was war und gleich wird und eine sehnsucht
der alte klobige schlüssel öffnet die tür mein blick fällt auf fliesen im flur
auf die klaren formen der türrahmen während die laute zurückbleiben eine einschnürung, die mir bekannt ist vertraut seit langem schnell mach ich licht und öffne zwei fenster
streife den mantel ab wechsle mit dem schritt, den ich am leib habe in die küche wo das brot liegt
sie hat mir einlass gewährt, die wohnung sie nimmt mich auf
Nordsee 0699
Nachts wie gespenster die windmühlenflügel - morgens war nebel
im alten schulhaus die kinder verstummten - ohren: lauernd über dem bett
soldaten hätten geweint diesesmal/ bei wind- und wolkenjagden über den herden: ich sammle möwenschreie bei fish & brot und schein/münder, irdene rachen
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